{"id":21372,"date":"2019-12-04T09:09:39","date_gmt":"2019-12-04T09:09:39","guid":{"rendered":"https:\/\/cypripedium.at\/?p=21372"},"modified":"2019-12-04T09:11:17","modified_gmt":"2019-12-04T09:11:17","slug":"spiranthes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cypripedium.at\/?p=21372","title":{"rendered":"Spiranthes"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center\"><strong>Die Gattung\u00a0<em>Spiranthes\u00a0<\/em>L.C.M. Richard<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\" class=\"has-text-align-center\">von \u00a0Alexander Grigorow und\u00a0Gerhard Raschun jun.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h5><strong>Systematik und Geschichte<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Die Gattung&nbsp;<em>Spiranthes<\/em>&nbsp;wurde 1817 von Richard beschrieben, als Lektotyp diente der Beleg einer Herbst-Drehwurz (&nbsp;<em>Spiranthes spiralis<\/em>). Der Gattungsname leitet sich von den griechischen Worten&nbsp;<em>speira<\/em>&nbsp;&nbsp;f\u00fcr \u201eSpirale\u201c und&nbsp;<em>anthos<\/em>&nbsp;f\u00fcr Bl\u00fcte\u201c ab. Der typische, schraubig gedrehte Bl\u00fctenstand f\u00fchrte auch zu den deutschen Namensbezeichnungen Drehwurz, Wendel\u00e4hre und Schraubenstendel.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb der\u00a0<em>Orchidaceae<\/em>\u00a0wird die Gattung in der Unterfamilie\u00a0<em>Orchidoideae<\/em>, dem Tribus\u00a0<em>Cranichideae<\/em>\u00a0und dem Untertribus\u00a0<em>Spiranthinae<\/em>\u00a0gef\u00fchrt. Die Gattung enth\u00e4lt, je nach Auffassung, rund 50 Arten. Werden die zwischenzeitlich ausgegliederten , mittelamerikanischen Gattungen\u00a0<em>Deiregyne<\/em>,\u00a0<em>Dichromanthus<\/em>,<em>Mesadenus<\/em>,\u00a0<em>Schiedeella<\/em>\u00a0etc. miteinbezogen, sind es etwa 300 Arten.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Verbreitung und Standorte<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Artenvielfalt liegt in Amerika, weshalb die Gattung gerne als \u201eamerikanisch\u201c bezeichnet wird. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt&nbsp;&nbsp;in Nord-Amerika, \u00fcber Mittelamerika bis in den Norden von Lateinamerika. Z\u00e4hlt man die asiatische Art&nbsp;<em>Spiranthes sinensis<\/em>, welche westlich bis in den Ural verbreitet ist, hinzu, ist Europa die Heimat von 4 Arten , identisch mit Asien, welches auch 4 Arten z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Art mit der gr\u00f6\u00dften Verbreitung ist\u00a0<em>Spiranthes sinensis<\/em>, welche von Russland \u00f6stlich bis nach China, die Mongolei\u00a0\u00a0und Japan, bzw. s\u00fcdlich \u00fcber Nepal, den Kaschmir, Butan, Indien, Korea, Thailand, Vietnam, Malaysia, bis ins n\u00f6rdliche Australien vorkommt. Es k\u00f6nnen verschiedene Biotop- und Bodentypen bis \u00fcber 3000m\u00fcM besiedelt werden, wobei meist ein sehr heller und offener Standort , auf frischen bis leicht trockenen Boden bevorzugt wird. Spezialisten sind aber auch an eine l\u00e4ngere, sommerliche Trockenzeit angepasst, welche sie ruhend, unterirdisch als Knolle \u00fcberdauern, wie z.B. in Mexiko vorkommende Arten, oder die heimische Herbst-Drehwurz (\u00a0<em>Spiranthes spiralis<\/em>).\u00a0\u00a0Andere Arten sind an regelm\u00e4\u00dfig geflutete, zum Teil leicht salzh\u00e4ltige, Standorte gebunden (z.B.\u00a0\u00a0<em>Spiranthes aestivalis<\/em>). Unter den Orchidaceen gibt es nur wenige Vertreter, welche eine emerse ( auftauchend) oder submerse (abgetaucht) Lebensweise f\u00fchren: Neben einigen nordamerikanischen Drehwurzarten (\u00a0<em>Spiranthes cernua\u00a0<\/em>aggr.<em>\u00a0<\/em>\u00a0) ist in diesem Zusammenhang noch\u00a0<em>Habenaria repens<\/em>\u00a0zu nennen , die von Texas bis Nord Carolina verbreitet ist.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Beschreibung<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Bei den Arten der Gattung\u00a0<em>Spiranthes<\/em>\u00a0handelt es sich um terrestrisch wachsende, ausdauernd, krautige Pflanzen. Die Anzahl der Wurzeln ist meist gering, die Knollen r\u00fcbenartig. Die Laubbl\u00e4tter stehen basal in einer Rosette, nur selten sind sie im unteren Sprossteil verteilt. Die Blattform kann sehr unterschiedlich sein, von rundlich\/oval bis lanzettlich. Viele Arten zeigen bereits w\u00e4hrend der Bl\u00fctezeit, sp\u00e4testens in der Samenreife verwelktes Laub. Bei manchen Arten erscheint w\u00e4hrend der Bl\u00fctezeit die Blattrosette des n\u00e4chstj\u00e4hrigen Bl\u00fctentriebes.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Bl\u00fcten<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Die Bl\u00fcten sind resupiniert und stehen ein- oder mehrzeilig ( z.B.\u00a0<em>Spiranthes romanzoffiana<\/em>) spiralig in der endst\u00e4ndigen Traube. Die Hauptf\u00e4rbung der Bl\u00fcten ist wei\u00df, nur bei wenigen Arten sind diese hellgelb, hellgr\u00fcn oder rosa gef\u00e4rbt. Die Petalen und das Labellum formen eine R\u00f6hre, welche zum Beginn der Bl\u00fcten\u00f6ffnung nur wenig ge\u00f6ffnet ist, und es den Best\u00e4ubern ( verschiedene Bienen- und Hummelarten ) beim Bl\u00fctenbesuch nur erlaubt so weit vorzudringen, um Pollen zu entnehmen. Erst mit fortschreitender Bl\u00fchdauer \u00f6ffnet sich die Bl\u00fcte weiter und l\u00e4sst jetzt das Abstreifen von Pollinien durch das best\u00e4ubende Insekt auf der Narbe zu. Damit wird die Selbst- bzw. Nachbarbest\u00e4ubung auf derselben Pflanze verhindert ( Geitonogamie). Neben Fremdbest\u00e4ubung ( Allogamie ) findet man auch Selbstbest\u00e4ubung ( Autogamie ) und Apomixis (\u00a0<em>Spiranthes hongkongensis<\/em>\u00a0) :\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Die bedeutensten Arten im Kurz\u00fcberblick<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h5><strong><em>Spiranthes aestivalis<\/em><\/strong>\u00a0(Poiret) Richard (1818)<\/h5>\n\n\n\n<p>Eine sehr zierliche Pflanze mit 3 bis 6 lineal-lanzettlichen Laubbl\u00e4ttern, welche 5 bis 14cm lang, und 0,6-1,2cm breit sind. Sie entspringen den zwei bis sechs r\u00fcbenf\u00f6rmigen Speicherwurzeln, die bis 8cm lang sein k\u00f6nnen. Der Bl\u00fctenstand erreicht eine H\u00f6he bis 35cm und erbl\u00fcht je nach H\u00f6henlage von Anfang Juli bis Ende August.&nbsp;&nbsp;6 bis 20 reinwei\u00dfe Bl\u00fcten sind spiralig angeordnet. Die Pflanzen sind sehr einheitlich, es ist keine Variationsbreite zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verbreitung der Pflanze erstreckt sich von der Atlantikk\u00fcste Portugals bis weit in den Osten nach Ungarn. Die n\u00f6rdlichsten Vorkommen in S\u00fcdengland sind bereits seit den 50er Jahren erloschen. Die s\u00fcdlichsten Vorkommen reichen bis nach Marokko. In K\u00e4rnten ist das letzte rezente Vorkommen im Gailtal bereits erloschen, in der Steiermark konnten die Fundangaben nicht best\u00e4tigt werden. Gesunde Best\u00e4nde sind heute noch in Salzburg zu finden. Die Vorkommen in Deutschland beschr\u00e4nken sich im Wesentlichen im Umfeld der gro\u00dfen Seen im klimabeg\u00fcnstigten Voralpenland in Bayern.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr nasse, n\u00e4hrstoffarme Nieder- und Zwischenmoore, Quellmoore mit Kalktuffbildung sind die bevorzugten Standorte ( Kleinseggenmoore&nbsp;<em>Caricetalia davallianae<\/em>&nbsp;). Zeigerarten sind unter anderem das Rostrote Kopfried (&nbsp;<em>Schoenus ferrugineus<\/em>&nbsp;), das Schwarze Kopfried (&nbsp;<em>Schoenus nigricans<\/em>&nbsp;), die stumpfbl\u00fctige Binse (&nbsp;<em>Juncus subnodulosus<\/em>&nbsp;) und die Steif-Segge (&nbsp;<em>Carex elata<\/em>&nbsp;). Arten mit \u00e4hnlichen Anspr\u00fcchen sind der langbl\u00e4ttrige Sonnentau (&nbsp;<em>Drosera<\/em>&nbsp;<em>anglica&nbsp;<\/em>), das breitbl\u00e4ttrige Wollgras (&nbsp;<em>Eriophorum latifolium<\/em>&nbsp;), die gew\u00f6hnliche Simsenlilie ( ), die Mehlprimel (&nbsp;<em>Primula farinosa<\/em>&nbsp;), das Sumpf-Herzblatt (&nbsp;<em>Parnassia palustris<\/em>) und das gew\u00f6hnliche Fettkraut (&nbsp;<em>Pinguicula vulgaris<\/em>&nbsp;).&nbsp;&nbsp;Die Art steigt bis auf 1400m \u00fcMh auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die spezielle Anpassung dieser konkurrenzschwachen Orchidee, und der Verlust ihrer Lebensr\u00e4ume ( Entw\u00e4sserung, Nutzungsaufgabe und N\u00e4hrstoffanreicherung) sind verantwortlich f\u00fcr ihr bedrohliches Verschwinden. Die meisten Standorte sind vom oberfl\u00e4chennah ziehenden Grundwasser gepr\u00e4gt. So gen\u00fcgt ein geringf\u00fcgiges Absinken des Wasserspiegels, um\u00a0\u00a0die Art zum Verschwinden zu bringen. Auch\u00a0\u00a0\u00c4nderungen der Lichtverh\u00e4ltnisse ( Beschattung, hohe Deckungswerte durch die Begleitvegetation) haben gro\u00dfen Einfluss. Die Art wir daher im Anhang I, dem h\u00f6chsten Schutzstatus des Washingtoner Artenschutzabkommen gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong><em>Spiranthes spiralis<\/em><\/strong>\u00a0(L.) Chevallier (1753)<\/h5>\n\n\n\n<p>Die Pflanzen besitzen 2 bis 3 r\u00fcbenf\u00f6rmige, bis 6cm lange Speicherwurzeln. Die grundst\u00e4ndige Blattrosette besteht aus 3 bis 7 eif\u00f6rmigen bis elliptischen, bl\u00e4ulich gr\u00fcnen Bl\u00e4ttern. Der Bl\u00fctenstand erreicht eine H\u00f6he von 6 bis 40cm, die 6 bis 25 spiralig angeordneten, gr\u00fcnlich-wei\u00dfen , duftenden Bl\u00fcten stehen senkrecht zur Bl\u00fctenachsel. Die diesj\u00e4hrige Blattrosette vertrocknet w\u00e4hrend der sommerlichen Ruhezeit. Die Bl\u00fctezeit der Pflanze liegt zwischen Mitte August bis Mitte Oktober, h\u00e4ufig ist das zeitgleiche Erscheinen der n\u00e4chstj\u00e4hrigen Blattrosette zu beobachten.<br><br>Es handelt sich um eine mediterran-atlantische Art. Das Verbreitungszentrum der Pflanze liegt im S\u00fcdwesten Europas und im Mittelmeergebiet, beginnt n\u00f6rdlich in S\u00fcd-Schweden, und reicht \u00fcber den Kaukasus bis in den Norden des Irans. Auch in Nordafrika ist die Art verbreitet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pflanze bevorzugt als Standort Magerwiesen ( unged\u00fcngte Wiesen ) und magere Weiden, sowie \u00d6dland, vorwiegend auf sauren und neutralen B\u00f6den. Da die flach aufliegenden Blattrosetten sehr viel Licht ben\u00f6tigen, ist die extensive Beweidung durch Rinder, vor allem aber Schafen sehr f\u00f6rderlich. Die Reduktion der Biomasse im Biotop ist sehr wichtig, da die Art sonst rasch von schnell- und h\u00f6herw\u00fcchsigen Pflanzen verdr\u00e4ngt wird.\u00a0\u00a0Als Zeigerpflanzen w\u00e4ren besonders Augentrost- (\u00a0<em>Euphrasia ssp.<\/em>\u00a0) und Hauhechel-Arten (\u00a0<em>Ononis spp.<\/em>\u00a0) zu nennen, h\u00e4ufig ist auch die Vergesellschaftung mit Wurmfarn (\u00a0<em>Dryopteris ssp.<\/em>\u00a0). Die Bewirtschaftung solcher Standorte ist nicht ertragreich, weshalb infolge von Auflassung \/ Beendung der Beweidung, Aufforstung\u00a0\u00a0oder D\u00fcngung diese Standorte durch die resultierende rasche Verbuschung zerst\u00f6rt werden. Die Art ist besonders in Zentraleuropa wegen dem Verschwinden von geeigneten Biotopen in ihrem Bestand bedroht.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong><em>Spiranthes romanzoffiana<\/em><\/strong>\u00a0Chamisso (1828)<\/h5>\n\n\n\n<p>Eine im Habitus\u00a0<em>Spiranthes aestivalis<\/em>\u00a0sehr \u00e4hnliche Pflanze, die 15 bis 30cm hoch wird. 3 bis 6 lineal-lanzettliche Laubbl\u00e4tter, welche 7 bis 22cm lang, und 0,5-1,3cm breit sind. Sie entspringen den zwei bis sechs r\u00fcbenf\u00f6rmig gestreckten Speicherwurzeln, die bis 8cm lang sein k\u00f6nnen. 12 bis 35 wei\u00df bis leicht gelbliche Bl\u00fcten sind in zumeist 3, selten 4, vertikalen Reihen angeordnet, was einzigartig innerhalb der Gattung ist und die Art daher sehr leicht bestimmbar macht. Die Pflanze bevorzugt offene, feuchte bis nasse Moore, sandige S\u00fcmpfe und Schwemmland, auf zumeist kalkh\u00e4ltigen B\u00f6den. Zeigerpflanzen f\u00fcr geeignete Biotope sind die pr\u00e4glazialen Relikte Binsenlilie (\u00a0<em>Sisyrinchium bermudianum<\/em>\u00a0) und\u00a0<em>Eriocaulon aquaticum<\/em>, aber auch\u00a0<em>Parnassia glauca<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Lobelia kalmii<\/em>. Die Pflanze ist vor allem im borealen und temperierten Nordamerika verbreitet, von Aleutians im Westen bis zu den Britischen Inseln ( Vorkommen gibt es in Irland, im westlichen Schottland und in England, Devon ) im Osten. In Amerika erreichen die Pflanzen eine gr\u00f6\u00dfere H\u00f6he und sind wesentlich bl\u00fctenreicher. Leider ist die Art sehr selten in Kultur.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong><em>Spiranthes sinensis<\/em><\/strong>\u00a0(Persoon) \u00a0Ames (1908)<\/h5>\n\n\n\n<p>Eine zierliche, im Habitus\u00a0<em>Spiranthes aestivalis<\/em>\u00a0sehr \u00e4hnliche Pflanze, die 13 bis 30cm hoch wird. Sie besitzt 3 bis 5 lineal-lanzettliche Laubbl\u00e4tter, welche 3 bis 10cm lang, und 0,5-1cm breit sind. Die Art verzichtet auf die Bildung von ausgepr\u00e4gten R\u00fcbenknollen, wenige 2 bis 3mm d\u00fcnne Wurzeln versorgen die Pflanze. Die Bl\u00fctezeit erstreckt sich von Juli bis August, der Bl\u00fctenstand erreicht eine H\u00f6he von 10 bis 25cm und tr\u00e4gt bis zu 30 dicht spiralig angeordnete Einzelbl\u00fcten. Diese k\u00f6nnen von reinwei\u00df, \u00fcber rosa in unterschiedlicher Intensit\u00e4t bis ins tiefe purpur gef\u00e4rbt sein. Wei\u00dfbl\u00fctige Individuen sind vorherrschend. Das Labellum bleibt stets reinwei\u00df gef\u00e4rbt. Die Bl\u00fcten werden von entsprechen kleinen Bienenarten best\u00e4ubt, auch autogame Sippen wurden beobachtet. Die Art hat eine gro\u00dfe Standortamplitude, bevorzugte Habitate sind lichte und feuchte W\u00e4lder, Feuchtwiesen und Moore, aufsteigend bis 3400m \u00fcMh. Wie bereits erw\u00e4hnt, ist es die Art mit der gr\u00f6\u00dften (europ\u00e4isch-asiatische ) Verbreitung. Auch in der Epiphyten-Kultur ist sie sehr bekannt: In den 70er und 80er Jahren galt im Osten abgebauter Hochmoortorf als gesch\u00e4tzter Substratbestandteil. Die in den importierten Soden enthaltenen Samen von\u00a0<em>Sp. sinensis<\/em>\u00a0keimten und erbl\u00fchten rasch bzw. verbreiteten sich in den Gew\u00e4chsh\u00e4usern. Seitdem auf Torf auf Grund des Biotopschutzes als Substratbestandteil weitgehend verzichtet wird, erloschen auch die Best\u00e4nde in den Kulturen alsbald. Heute wird die Art besonders von den Erdorchideen-Kultivateuren gesch\u00e4tzt, die nach besonders dunkel purpur gef\u00e4rbten Klonen Ausschau halten.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong><em>Spiranthes cernua<\/em><\/strong>\u00a0(Linneaus) L.C. Richard (1817)<\/h5>\n\n\n\n<p>Eine im Habitus&nbsp;<em>Spiranthes aestivalis<\/em>&nbsp;sehr \u00e4hnliche Pflanze, die 6 bis 52cm hoch wird. 3 bis 6 schmal-ovale Laubbl\u00e4tter, welche 6 bis 12cm lang, und 0,5-2cm breit sind. Die Art verzichtet auf die Bildung von R\u00fcbenknollen, und entwickelt ein stark ausgepr\u00e4gtes Wurzelsystem. Im Herbst bilden sich zus\u00e4tzlich 3 bis 8 Adventivpflanzen ( akrogene Wurzelsprossung ) aus den Wurzelspitzen, sodass&nbsp;<em>Sp. cernua<\/em>&nbsp;&nbsp;zur starken vegetativen Vermehrung neigt. Die Bl\u00fctezeit erstreckt sich sehr sp\u00e4t im Jahr von September bis November. Der Bl\u00fctenstand tr\u00e4gt 10 bis 60 dicht spiralig angeordnete ,wei\u00dfe Einzelbl\u00fcten. Die Pflanzen sind sehr variable in der Form, und sind entsprechend in drei morphologische Typen einzugliedern. Der Eindruckvollste, der K\u00fcstentyp, welcher in Neuschottland, Maine etc. verbreitet ist, zeigt bis zu 1,5cm gro\u00dfe Einzelbl\u00fcten. Die Verbreitung der Art reicht weiter im Osten Amerikas, von New York, Pennsylvania, New Jersey, South Dakota bis in den S\u00fcden Texas und Floridas. Dementsprechend ist f\u00fcr die Kultur im europ\u00e4ischen Freiland darauf zu achten, dass die Klone urspr\u00fcnglich aus dem n\u00f6rdlichen Verbreitungsgebiet entstammen, und somit \u00fcber ausreichende Winterh\u00e4rte verf\u00fcgen. Die Art besitzt eine sehr gro\u00dfe Standortamplitude, alle feuchten Standorte werden besiedelt: Verschiedenste Moortypen auf unterschiedlichen Bodentypen, auch anthropogen geschaffene Sekund\u00e4rstandorte werden rasch besiedelt. Standorte von&nbsp;<em>Sp. cernua<\/em>&nbsp;unterliegen starken Schwankungen des Grundwasserspiegels. Nicht selten werden Standorte regelrecht \u00fcbersp\u00fclt. Dies wird aufgrund der Anpassung von den Pflanzen sehr gut vertragen, weshalb die Art auch zur bedingten submersen Kultur geeignet ist. Vielen Aquarianern ist diese Art als \u201e Wasserorchidee\u201c bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Standorten k\u00f6nnen weiteren Arten der Gattung mit identischen Anspr\u00fcchen gefunden werden, so\u00a0<em>Sp. lacera<\/em>,\u00a0<em>Sp. casei<\/em>,\u00a0<em>Sp. ochroleuca<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Sp. romanzoffiana<\/em>. Mit etwas \u00dcbung sind diese jedoch einfach zu determinieren. Eine Unterart, im s\u00fcd\u00f6stlichen Verbreitungsgebiet, mit duftenden Bl\u00fcten wird als\u00a0<em>subsp. odorata<\/em>\u00a0abgetrennt. Laut den Beobachtungen der Autoren konnte bei dieser Unterart jedoch nie die Vermehrung \u00fcber Wurzelsprossung beobachtet werden: Die Unterart ist meist autogam und neigt stark zur Vermehrung \u00fcber Selbstaussaat. Die Pflanzen sind auch leicht durch ihre rundlichere, kompaktere Rosette und den bl\u00e4ulichen Laub zu differenzieren. Eine Kultur in Europa im Freiland ist nur begrenzt empfehlenswert, da die Winterh\u00e4rte nur bedingt vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Kultur<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Allgemein sind die Arten der Gattung gut w\u00fcchsig, und mit wenig Aufwand zum Bl\u00fchen zu bringen. Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen zwei Standorttypen unterschieden werden: Feuchte \/ nasse\u00a0\u00a0Standorte , und\u00a0\u00a0solche mit trockener, ausgepr\u00e4gter Vegetations-Ruhezeit.<\/p>\n\n\n\n<h6><em>Arten von feuchten Standorten:\u00a0<\/em><\/h6>\n\n\n\n<p>Leider verlieren Liebhaber immer wieder Pflanzen von\u00a0<em>Sp.aestivalis<\/em>,\u00a0<em>Sp. sinensis\u00a0<\/em>oder\u00a0<em>Sp. romanzoffiana<\/em>\u00a0in Kultur durch Verwendung von mineralischen Mischungen. Mit Perlit, Seramis oder Lava etc. hergestellte Substrat sind f\u00fcr Pflanzen dieses \u00d6kotyps jedoch\u00a0\u00a0v\u00f6llig ungeeignet, und resultieren meist rasch den Verlust der Pfleglinge durch Pilzinfektionen. Die Verwendung von reinem Hochmoortorf, welcher mit Perlit etc. gestreckt werden kann, h\u00e4lt den pH-Wert durch die Abgabe von Humins\u00e4uren st\u00e4ndig niedrig. Dies wirkt auf das Wachstum von phytopathogenen Pilzen und Bakterien hemmend. Gleichg\u00fcltig ob die Art eigentlich basischen Standorte bevorzugt, gelingt die Kultur auch ohne Aufkalkung des Substrats. W\u00e4hrend der Vegetationsperiode und des Wachstums der Pflanze werden die Kulturgef\u00e4\u00dfe st\u00e4ndig mit Wasser angestaut. Auch hier spielt die Qualit\u00e4t des im Anstauverfahren verwendeten Wassers eine untergeordnete Rolle. W\u00e4hrend den kurzen Ruhezeiten, welches die Pflanzen durch einen Wachstumstopp oder kurzem oberfl\u00e4chlichen Verschwinden anzeigen, wird das Substrat feucht gehalten, aber nicht angestaut. Die T\u00f6pfe, welche auch klein gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen, sollten immer sehr hell, im Winter frostfrei zwischen 0 und 10\u00b0C aufgestellt werden. Ein Sommeraufenthalt an einer vor Mittagssonne gesch\u00fctzten Stelle im Garten ist sehr empfehlenswert. Ein Umtopfen bei dieser Kulturmethode ist alle 2 bis 3 Jahre empfehlenswert, und sollte w\u00e4hrend der kurzen Ruhezeit durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<h6><em>Arten mit ausgepr\u00e4gter Ruhezeit:<\/em><\/h6>\n\n\n\n<p>Mineralische Substratmischungen mit geringen organischen Anteil sind zu bevorzugen. Die dauerhafte, kr\u00fcmelige Struktur und gute Wasser- und Luftf\u00fchrung erh\u00e4lt man durch Mischungen mit Perlit, Seramis, Ziegelsplitt, Lava, Sand etc. Je nach Gie\u00dfgewohnheiten k\u00f6nnen Kulturgef\u00e4\u00dfe aus Ton von Kultivateuren , die eher dazu neigen zuviel zu w\u00e4ssern, bzw. Kunststoffcontainer von jenen verwendet werden, die sparsam mit den Gie\u00dfintervallen umgehen. Die Pflanzen zeigen durch ihr Wachstum die Gie\u00df- und D\u00fcngeintervalle an. Stehen die Pflanzen im Wachstum, ist die Versorgung mit ausreichen Wasser- und D\u00fcngegaben zu gew\u00e4hrleisten. Die Ruhezeit beginnt mit dem Gelb-F\u00e4rben der Bl\u00e4tter, die anschlie\u00dfend vertrocknen. Ab diesen Zeitpunkt m\u00fcssen die Wassergaben reduziert werden und die D\u00fcngegaben stoppen. W\u00e4hrend der Ruhezeit ist durch gezielte und reduzierte Wassergaben zu verhindern, dass die Knolle zu sehr schrumpft. Mit Erscheinen des Neutriebes sind die Wassergaben wieder vorsichtig zu erh\u00f6hen. W\u00e4hrend dieser Phase ist der Neuaustrieb sehr empfindlich gegen\u00fcber Infektionen.<\/p>\n\n\n\n<h6><em>D\u00fcngung:<\/em><\/h6>\n\n\n\n<p>Die D\u00fcngung sollte sehr zur\u00fcckhaltend durchgef\u00fchrt werden, da die Pflanzen\u00a0\u00a0ohnehin an sehr n\u00e4hrstoffarme Standorte angepasst sind. Mit gezielter D\u00fcngung kann die vegetative Vermehrung und die Ausbildung gr\u00f6\u00dferer Neutriebe gef\u00f6rdert werden, gleichzeitig steigt mit einem \u00dcberma\u00df aber die Mortalit\u00e4t. Dies sollte jeder Liebhaber absch\u00e4tzen, wenn er z.B. so wertvolle Arten wie\u00a0<em>Sp. aestivalis<\/em>\u00a0kultiviert ! Handels\u00fcblicher D\u00fcnger mit reduziertem Stickstoffanteil kann verwendet werden. Die D\u00fcngergaben sollten 14t\u00e4gig mit einer Konzentration unter 200\u00b5S\/cm erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Zucht und Vermehrung<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Gewisse Arten der Gattung&nbsp;<em>Spiranthes<\/em>&nbsp;lassen sich innerhalb von 12 Monaten von Samen bis zur bl\u00fchenden Pflanze ziehen !&nbsp;&nbsp;Sowohl die symbiotische, als auch die asymbiotische&nbsp;<em>invitro<\/em>-Aussaat bringt ausgezeichnete Ergebnisse. Die Samen sind sehr empfindlich gegen\u00fcber einer hohen Konzentration von Hypochlorit beim Desinfizieren bzw. einer langen Einwirkdauer. Deshalb sollte keine Konzentration \u00fcber 0,5% aktivem NaOCl verwendet werden, und die Einwirkdauer unter 10 Minuten gehalten werden. Um eine Nachwirkung des Hypochlorits zu verhindern, sollte dem Desinfektionsmittel und dem N\u00e4hrboden auch etwas Tween 80 (Polyoxy\u00e4thylensorbitanmonooleat) zugesetzt werden. Nur sehr frische und saubere Saat ist mit dieser schonenden Behandlung steril zu bringen, weshalb kein \u00fcberlagertes Saatgut verwendet werden sollte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf allen handels\u00fcblichen Aussaatn\u00e4hrb\u00f6den keimen die Samen ausreichend und wachsen nach einmaligem Umlegen auf frischen Boden innerhalb von 6 Monaten zu pikierf\u00e4higen S\u00e4mlingen. Bereits nach weiteren 6 Monaten zeigen die ersten S\u00e4mlinge ihre Erstbl\u00fcten !<\/p>\n\n\n\n<p>Auch auf vielen geeigneten Pilzisolaten keimt die Saat gut und die S\u00e4mlinge k\u00f6nnen in einer \u00e4hnlichen Zeitspanne zur Bl\u00fcte gebracht werden. Die Ausf\u00e4lle nach dem Pikieren im Substrat sind meist niedrig, da der Symbiont bereits seine Schutzfunktion gegen\u00fcber Fremdinfektionen \u00fcbernimmt.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Aussicht<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich Bl\u00fctenf\u00e4rbung und \u2013 gr\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen die Arten der Gattung\u00a0<em>Spiranthes<\/em>\u00a0keineswegs mit tropischen Vertretern konkurrieren. Der Trend geht in die Richtung von farbenkr\u00e4ftigen und riesigen Bl\u00fcten, bei denen Details eine nebengeordnete Rolle spielen. Diese Nischen-Gattung bleibt vielmehr jenen Kultivateuren vorbehalten, die sich f\u00fcr Bl\u00fctenbiologie interessieren, sowie die Kultur den Erhalt von bedrohten Arten widmen.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Literatur<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Brown, P.M. (1993): Wild Orchids of the Northeastern United States.&nbsp;Cornell University Press<\/p>\n\n\n\n<p>Delforge, P. (1994): Orchids of Britain &amp; Europa.&nbsp;Harper Collins Publisher<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcller, F. (1984): Die Orchideen Mitteleuropas, Teil 4 :&nbsp;<em>Goodyera<\/em>&nbsp;und<em>&nbsp;Spiranthes&nbsp;<\/em>&#8211; Neue Brehm-B\u00fccherei, Wittenberg Lutherstadt&nbsp;&nbsp;Bd. 307<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fctz, N. et al. (1992): Wurzelausl\u00e4ufer bei&nbsp;<em>Spiranthes cernua<\/em>&nbsp;(L.) L. C. Rich. Die Orchidee43 (1), Seiten 37-39<\/p>\n\n\n\n<p>Mrkvicka, A. (1991):&nbsp;<em>Spiranthes aestivalis<\/em>&nbsp;(POIR.)&nbsp;RICH. &#8211; Beobachtungen zu Keimung, Entwicklung und \u00d6kologie, Mitt.blatt AHO Baden-W\u00fcrttemberg 23 (3), Seiten 473-486.<\/p>\n\n\n\n<p>Reinhard, H. et al. (1991): Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete. Fotorotar AG<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Adressen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Alexander Grigorow<br><a href=\"mailto:grigorow_a@mail.ru\">grigorow_a@mail.ru<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gerhard Raschun jun.<br>Elsterweg 14<br>A-9161 Maria Rain<br><a href=\"mailto:gerhard.raschun@aon.at\">gerhard.raschun@aon.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gattung\u00a0Spiranthes\u00a0L.C.M. Richard von \u00a0Alexander Grigorow und\u00a0Gerhard Raschun jun. Systematik und Geschichte Die Gattung&nbsp;Spiranthes&nbsp;wurde 1817 von Richard beschrieben, als Lektotyp diente der Beleg einer Herbst-Drehwurz (&nbsp;Spiranthes spiralis). Der Gattungsname leitet sich von den griechischen Worten&nbsp;speira&nbsp;&nbsp;f\u00fcr \u201eSpirale\u201c und&nbsp;anthos&nbsp;f\u00fcr Bl\u00fcte\u201c ab. Der typische, schraubig gedrehte Bl\u00fctenstand f\u00fchrte auch zu den deutschen Namensbezeichnungen Drehwurz, Wendel\u00e4hre und Schraubenstendel. 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