{"id":21127,"date":"2019-12-03T10:42:22","date_gmt":"2019-12-03T10:42:22","guid":{"rendered":"https:\/\/cypripedium.at\/?p=21127"},"modified":"2019-12-16T15:15:31","modified_gmt":"2019-12-16T15:15:31","slug":"disa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cypripedium.at\/?p=21127","title":{"rendered":"Disa"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center\"><strong>Die Gattung&nbsp;<em>DISA<\/em>&nbsp;P.J. Bergius<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-1-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22371\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-1-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-1-1-600x400.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-1-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-1-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-1-1.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Anhand einem herbarisierten Exemplar von&nbsp;<em>Disa uniflora<\/em>&nbsp;gr\u00fcndete der schwedische Arzt und Botaniker Peter Jonas Bergius im Jahre 1767 die Gattung&nbsp;<em>Disa<\/em>. Damit ehrte er die K\u00f6nigin Disa aus der schwedischen Mythologie. Andere Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die Benennung f\u00fchren auf das lateinische Wort&nbsp;<em>dis ,<\/em>&nbsp;\u00fcbersetzt reich oder opulent, hin. Die erste Erw\u00e4hnung l\u00e4sst sich aber bereits auf den englischen Priester John Ray zur\u00fcckf\u00fchren, welcher 1704 die Art&nbsp;<em>Disa uniflora<\/em>&nbsp;in seinem Werk&nbsp;<em>Historia plantarum generalis&nbsp;<\/em>als&nbsp;<em>Orchis africana flore<\/em>&nbsp;<em>singulari herbaceo<\/em>&nbsp;beschrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gattung beinhaltet heute knapp 170 Arten ( Linder &amp; Kurzweil 1999 ) , verbreitet im tropischen Afrika, Madagaskar, entlang der K\u00fcste am indischen Ozean bis nach S\u00fcdafrika. Die Hauptverbreitung und der Entwicklungsschwerpunkt liegt in der Kapregion, wo mehr als 130 Arten zu finden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mehrheitliche Anzahl der Arten ist laubabwerfend, und \u00fcberdauert l\u00e4ngere, trockene Ruhezeiten gesch\u00fctzt als Knolle im Erdboden. Nur wenige Arten sind immergr\u00fcn, die an dauerfeuchte Standorte gebunden sind. Besonders diese Gruppe der botanischen Untergattung&nbsp;<em>Disa<\/em>, Sektion&nbsp;<em>Disa<\/em>&nbsp;, sind f\u00fcr die Kultur sehr geeignet. Weiters unterscheidet man Sommer-gr\u00fcne bzw. Winter-gr\u00fcne Arten, je nach jahreszeitlichem Wachstumsschwerpunkt.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Bl\u00fcten<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4tzt und bekannt wurde die Gattung besonders durch ihre beeindruckenden Bl\u00fcten,&nbsp;&nbsp;welche nahezu das gesamte Farbspektrum abdecken:&nbsp;&nbsp;Sie k\u00f6nnen wei\u00df, gelb oder pink gef\u00e4rbt sein , vorrangig dominieren aber alle Orange- und Rott\u00f6nen . Auch violette, blaue und dunkelbraune Bl\u00fcten sind zu finden. W\u00e4hrend das Labellum ( Lippe ) zumeist sehr verk\u00fcmmert erscheint, sind das mittlere und die seitlichen Sepalen zu einem stattlichen und gut ausgef\u00e4rbten Schauapparat ausgebildet. Nur die Sektion&nbsp;&nbsp;<em>Herschelianthe<\/em>&nbsp;beinhalten Arten mit besonders phantasievoll ausgebildeter Lippe. Die Hauptbl\u00fctezeit liegt in Gebieten mit Sommerregen im Sommer, in Gebieten mit Winterregen streckt sie sich vom Fr\u00fchjahr bis in den Herbst hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es \u00fcberrascht, dass selbst an Standorten mit mehreren Arten und \u00fcberschneidender Bl\u00fctezeit , kaum interspezifische Hybriden zu finden sind.&nbsp;&nbsp;Die Bl\u00fcten der Gattung sind jedoch sehr spezifisch an einen Best\u00e4uber angepasst, sodass kaum Bl\u00fcten zweier Arten f\u00fcr einen Best\u00e4uber attraktiv erscheinen. F\u00fcr den Pollen-Transfer kommen Schmetterlinge, Schw\u00e4rmer, Bienen, Fliegen, aber auch Nacht-aktive Motten in Frage.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Habitate<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Bevorzugte Standorte sind zum Beispiel torfige Moore, Flussufer , \u00fcbersp\u00fclte B\u00e4nke, aber auch saisonal trockenes Grasland. An felsigen Stellen werden die unterirdischen Organe durch Moospolster vor dem Austrocknen gesch\u00fctzt. Allen Standorten gemeinsam ist eine hohe Acidit\u00e4t des Bodens ( nach Messungen bis zu pH 3,5 ), sowie eine N\u00e4hrstoff-Armut. Wie bei anderen Gattungen z.B.&nbsp;<em>Corycium, Pterygodium, Satyrium, Ceratandra<\/em>, und anderen Pflanzenfamilien auch, gibt es innerhalb dieser Gattung Arten z.B. die sehr seltene&nbsp;<em>Disa salteri<\/em>&nbsp;, welche nur nach einem Brand erbl\u00fchen. Pflanzen findet man im subtropischen Tiefland, in der gem\u00e4\u00dfigten Zone, aufsteigend bis ins alpine Grasland,&nbsp;&nbsp;in den Drachenbergen auf 1200m nn . In den alpinen Gebieten k\u00f6nnen die Temperaturen nachts auch unter dem Gefrierpunkt sinken, welches die Pflanzen kurzzeitig auch \u00fcberstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong><em>Disa uniflora<\/em><\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Die bekannteste&nbsp;&nbsp;Art wird nicht unbegr\u00fcndet als \u201e Stolz der Tafelberge\u201c bezeichnet. Besonders kr\u00e4ftige Pflanzen k\u00f6nnen bis zu 12 Bl\u00fcten an einer bis 90 cm hohen Infloreszenz tragen ! Die Art bevorzugt sehr feuchte Standorte, an Flussufern oder in der N\u00e4he von Wasserf\u00e4llen, an sonnigen, wie auch schattigen Stellen. Im Verbreitungsschwerpunkt am S\u00fcdwestkap ist die Pflanze von 100m nn bis auf 1200m nn anzutreffen. Von J\u00e4nner bis Februar erscheinen Bl\u00fcten, die verschiedentlich gef\u00e4rbt sein k\u00f6nnen: In den Tafelbergen tragen Pflanzen karminrote Bl\u00fcten, s\u00fcdlicher dominieren orange F\u00e4rbungen, in den Zederbergen dominieren r\u00f6tliche Farbschattierungen. Bisher konnten erst zweimal (Anthocyanin-) Albino-Pflanzen mit hellgelben Bl\u00fcten gefunden werden, der genaue Fundort blieb stets geheim. Grund f\u00fcr diese Seltenheit ist, dass der Best\u00e4uber von&nbsp;<em>Disa uniflora<\/em>, der sehr gro\u00dfe, farbenfrohe Schmetterling&nbsp;<em>Aeropetes tulbaghia&nbsp;<\/em>&nbsp;, lediglich orange oder rot gef\u00e4rbte Bl\u00fcten attraktiv findet, und die gelben Bl\u00fcten der Albinos nicht besucht. Dieser Schmetterling best\u00e4ubt aber auch die roten Bl\u00fcten der Sukkulente&nbsp;<em>Crassula coccinea<\/em>&nbsp;oder der Lilie&nbsp;<em>Nerine sarniensis<\/em>, und selbst Wanderer mit roter Kleidung werden angeflogen.&nbsp;&nbsp;Erw\u00e4hnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass dieser Schmetterling die Pollen von&nbsp;<em>D. uniflora<\/em>&nbsp;nicht mit dem R\u00fcssel \u00fcbertr\u00e4gt, sondern mit seinen F\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der n\u00e4chstverwandten&nbsp;<em>Disa racemosa<\/em>&nbsp;wird der Naturhybrid&nbsp;<em>Disa x veitchii<\/em>&nbsp;gebildet. Es war auch die erste k\u00fcnstliche Kreuzung, die bereits 1891 in der Sammlung von Veiten in Kew erbl\u00fchte. Wegen der kr\u00e4ftigen Bl\u00fctenf\u00e4rbung und der Sommerbl\u00fcte gewann die Gattung sehr rasch an Beliebtheit, und die Best\u00e4nde wuchsen. In den fr\u00fchen 1920ern gibt es \u00dcberlieferungen, die von riesigen Ausstellungshallen mit abertausenden Pflanzen erz\u00e4hlen. Danach gingen die Best\u00e4nde durch nicht gekl\u00e4rte Umst\u00e4nde, denkbar w\u00e4re ein Pilzbefall, verloren. Die Kultur und Zucht wurden auch nicht wieder aufgenommen, bis in die 1950er Jahre, als am Kap Helmut Meyer und K. C. Johnson die Kultur der Pflanzen &#8211; durch Anpassung an die Naturstandortbedingungen &#8211; gelang, und damit den Grundstein f\u00fcr die weitere Zucht legten.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Zucht<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Zwischen 1891 und 1922 wurden nur 11 Hybriden, allesamt mit den drei Arten&nbsp;<em>Disa uniflora<\/em>,&nbsp;<em>D. racemosa<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>D. tripetaloides<\/em>&nbsp;gezogen. Die 250 angemeldeten Hybriden der letzten 2 Jahrzehnte beweisen, dass die Gattung&nbsp;<em>Disa&nbsp;<\/em>&nbsp;nicht nur in S\u00fcdafrika an Bedeutung gewinnt. Heute werden auch weitere Arten, z.B.&nbsp;<em>Disa cardinalis<\/em>,&nbsp;<em>D. aurata<\/em>,&nbsp;<em>D. caulescens<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>D.<\/em>&nbsp;<em>venosa<\/em>&nbsp;eingekreuzt. Dadurch erreicht man einen gr\u00f6\u00dferen Bl\u00fctenreichtum , neue Bl\u00fctenf\u00e4rbungen ( rein gelbe Ausf\u00e4rbungen ), die Verschiebung der Bl\u00fctezeit, oder eine bessere Haltung der Bl\u00fcten. Die Kultur ist inzwischen gut beherrschbar, und auch die Absatzzahlen als Schnittblume schnellen in die H\u00f6he. Der Zucht kommt zugute, dass von der Aussaat bis zur Bl\u00fcte nur rund 3 Jahre vergehen, ein f\u00fcr Orchideen sehr kurze Zeitspanne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bedeutendsten Kreuzungen besitzen&nbsp;<em>Disa uniflora&nbsp;<\/em>&#8211; Blut, als Elternart oder durch R\u00fcckkreuzung. Dazu gibt es gute Sammlungen, die \u00fcber bl\u00fchende Pflanzen in ausgezeichneter Form, Substanz und Textur beinhalten. Nicht nur nach Bl\u00fctengr\u00f6\u00dfe und&nbsp;&nbsp;Bl\u00fctenfarbe ( verschiedenste Rott\u00f6ne , reinem Orange, Orangegelb bis zu reinem Gelb ! \u2013 Anthocyanin -Albinismus ) wurde selektiert, auch nach Stengell\u00e4ngen : Pflanzen von Wasserfall-Habitaten, welche sehr kurze St\u00e4ngel besitzen, wurden gezielt mit Pflanzen von Gebirgsfl\u00fcssen, mit bis zu 1 Meter hohen St\u00e4ngeln, gekreuzt.&nbsp;&nbsp;Damit l\u00e4sst sich auch die Bl\u00fctezeit der Hybriden beeinflussen und nutzen, und zum Beispiel sehr sp\u00e4t im Herbst bl\u00fchende Pflanzen produzieren. F\u00fcr den Schnitt werden mittlerweile&nbsp;&nbsp;Bl\u00fcten-Spannweiten bis 12cm erreicht !<\/p>\n\n\n\n<p>Durch das Einkreuzen von&nbsp;<em>D. racemosa<\/em>&nbsp;wurden gro\u00dfe, gut verteilte und wohl proportionierte Bl\u00fcten erzielt. Die unerw\u00fcnschten Eigenschaften von&nbsp;<em>D. racemosa<\/em>&nbsp;, d.h. die schwierige Kultur bzw. die Feuerabh\u00e4ngigkeit zur Bl\u00fctenbildung, werden nicht weitervererbt. Dieser Prim\u00e4r-Hybrid ist die Ausgangsform f\u00fcr die moderne Z\u00fcchtung.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Vererbung der Farben<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Drei getrennte Klassen von Pigmenten sind f\u00fcr die Bl\u00fctenf\u00e4rbung verantwortlich: Wasserl\u00f6sliche Anthocyanine in den Vakuolen, fettl\u00f6sliche Carotinoide und das Chlorophyll in den Chromoplasten \/ Chloroplasten. In mehrstufigen, durch Gene gesteuerten Schritten, werden alle Pigmente synthetisiert. Anthocyanine produzieren rosa, orange, von rot \u00fcber violett, bis blaue F\u00e4rbungen. Die Anwesenheit von gelb zeigt Carotinoide an. Gr\u00fcne Farben sind auf Chlorophyll zur\u00fcck zuf\u00fchren. Die von den Bl\u00fcten erzeugte Farbe wird von der einen oder anderen der drei Pigmentklassen bestimmt, oder auch in Kombination. Ist keines der Pigmente anwesend, erscheinen die Bl\u00fcten wei\u00df, da Anteile des Lichtes nicht absorbiert werden, oder es reflektiert \/ durchgelassen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist bekannt, dass die Vererbung der Bl\u00fctenf\u00e4rbung beidelterlich ist, d.h. es ist unwesentlich, welcher Kreuzungspartner Pollenspender bzw. \u2013empf\u00e4nger ist. Alle Pigment-Informationen werden in ausreichender Menge w\u00e4hrend der Reduktionsteilung zu den haploiden Pollen und Samenanlagen \u00fcbertragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Aussicht<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Trotz der einzigartigen Bl\u00fcten sind Pflanzen in heimischen Sammlungen noch selten anzutreffen. Die Gattung gilt seit je als schwer kultivierbar. Die stark zunehmende Anzahl an j\u00e4hrlich neu registrierten Hybriden zeugt jedoch von der steigenden Bedeutung der Gattung, und nicht nur im Mekka der&nbsp;<em>Disa<\/em>-Zucht, in S\u00fcdafrika. Komplexe Hybriden, inzwischen recht einfach kultivierbar,&nbsp;&nbsp;mit noch gr\u00f6\u00dferen Bl\u00fcten und schreienden Bl\u00fctenf\u00e4rbungen werden in den n\u00e4chsten Jahren den Markt erobern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"615\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22370\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora-.jpg 615w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora--600x976.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Disa-uniflora--185x300.jpg 185w\" sizes=\"(max-width: 615px) 100vw, 615px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h5><strong>zur Kultur: ein Interview mit Reiner Seibold<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-center\">Erfolgreiche Kultur der Gattung&nbsp;<strong><em>Disa&nbsp;<\/em><\/strong>Bergius&nbsp;<em>,&nbsp;<\/em>&nbsp;leicht gemacht !<\/h4>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Reiner Seibold lebt in Moosburg, K\u00e4rnten. In seiner Freizeit widmet er sich der Kultur von seltenen Erdorchideen. Im Sommer 2011 konnte sich der Autor vom gr\u00fcnen Daumen des Orchideenliebhabers selbst \u00fcberzeugen: Ein einzigartiger, bleibender Eindruck, stand doch sein gesamter<em>&nbsp;Disa<\/em>-Bestand in Hochbl\u00fcte ! Alle hier gezeigten Bilder entstanden bei diesem unvergesslichen Besuch. Leider scheuen viele Orchideenliebhaber diese Gattung, gilt sie doch als schwer kultivierbar. Zu Unrecht, wie der Kultivateur im folgenden Interview erkl\u00e4rt :&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sammlung, die in einem eindrucksvollen Zustand ist, sind viele Arten und Hybriden zu bewundern. Welche Pflanzen kultivieren Sie und welche w\u00fcrden Sie Anf\u00e4ngern empfehlen ?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Beginn sind immer Hybriden einfacher in der Kultur, aber auch botanische Arten wie Dias uniflora, cardinalis, aurata und tripetaloides sind nicht schwer zu kultivieren. Man sollte sich aber anfangs auf die&nbsp;&nbsp;immergr\u00fcnen Arten beschr\u00e4nken, die an wasserreichen Standorten wachsen. Die knollenbildenden Arten, die je nach Herkunftsregion im Sommer (wie mediterrane Orchideen) oder im Winter (wie unsere einheimischen Arten) einziehen und ruhen, sind etwas schwieriger zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>In welchen Temperaturbereichen ist es m\u00f6glich&nbsp;<em>Disa<\/em>-Arten zu kultivieren, ist ein Sommeraufenthalt auch im Garten m\u00f6glich ?<\/p>\n\n\n\n<p>Generell ist eine k\u00fchle Umgebung wichtig (Mittagshitze im Sommer ist aber keine Gefahr). Ein Gartenaufenthalt im Sommer ist sehr g\u00fcnstig, die Temperaturen sollten aber eher k\u00fchl sein, was vor allem f\u00fcr den Wurzelbereich, also den Topf gilt. F\u00fcr niedrige Temperatur sorgt das Wasser, mit dem man in der Wachstumszeit anstaut oder flutet. Der Standort sollte hell sein, aber nicht in voller Sonne. Hei\u00dfe Mittagssonne halten Disas nicht aus. Das Einsenken von T\u00f6pfen in einem Sphagnummoor ist eine gute M\u00f6glichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieviel Licht ben\u00f6tigen die Pflanzen, k\u00f6nnen diese Pflanzen auch am Fensterbrett bei wenig Licht gehalten werden ?<\/p>\n\n\n\n<p>Fensterbrettkultur an einem Ost- oder Westfenster in einem k\u00fchlen Raum d\u00fcrfte gehen, aber im Winter brauchen sie Temperaturen zwischen 0 und 5 Grad, wie mediterrane Pflanzen. Da w\u00fcrde sich ein kalter Wintergarten eher anbieten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In welchem Substrat bzw. welchen Gef\u00e4\u00dfen werden die Pflanzen bevorzugt kultiviert ?<\/p>\n\n\n\n<p>Plastikt\u00f6pfe jeder Art sind geeignet, es reichen kleine runde 9er oder 11er T\u00f6pfe. Als Substrat eignet sich ein Gemisch aus 50%&nbsp;&nbsp;Torf und 50 % Perlite oder auch je ein Drittel Torf, Perlite und Quarzsand (2 mm K\u00f6rnung). Auch lebendes Sphagnum kann zugegeben werden. Die Kultur in reinem Quarzsand erfordert eine Versorgung mit k\u00fcnstlicher Nahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein doch recht mineralisches Substrat ohne reichliches N\u00e4hrstoffangebot, wie sollten die&nbsp;&nbsp;Pflanzen w\u00e4hrend der Wachstumsperiode versorgt werden ?<\/p>\n\n\n\n<p>Ab M\u00e4rz wird alle ein bis zwei Wochen ged\u00fcngt. Ich verwende synthetischen Fl\u00fcssigd\u00fcnger in einer Konzentration von \u00bd ml pro Liter Regenwasser, das ergibt eine Leitf\u00e4higkeit von etwa 170 microSiemens (200 microSiemens sollte nicht \u00fcberschritten werden.) W\u00e4hrend der Bl\u00fcte wird das D\u00fcngen eingestellt, im Herbst erfolgt wieder eine Zeit der D\u00fcngung, um die Entwicklung der Neutriebe zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sind die Wassergaben zum Wachstumsrythmus im Jahresverlauf zu dosieren ?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Winter, in der kalten Zeit, wachsen die Pflanzen kaum. Das Substrat darf nicht austrocknen, aber es reicht, einmal pro Woche ein klein wenig \u201evon oben\u201c zu gie\u00dfen. Ab M\u00e4rz wird mehr gegossen und dann auch angestaut oder geflutet, d.h. man stellt die T\u00f6pfe in Wannen und gibt etwa 2 cm hoch Wasser hinein, das die Pflanzen dann in ein paar Tagen \u201ewegtrinken\u201c oder man flutet t\u00e4glich kurz an und l\u00e4\u00dft das Wasser wieder ab (ev. automatisiert mit einer Aqariumpumpe).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gie\u00df-Wasserqualit\u00e4t ist ein entscheidender Erfolgsfaktor f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige Kultur. Welche Bew\u00e4sserung bevorzugen Sie und welche Mindestanforderung sollte das Gie\u00dfwasser besitzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Als Gie\u00dfwasser muss reines Regenwasser verwendet werden, da Disas sehr empfindlich gegen Salze sind. Kalkhaltiges Leitungswasser macht ihnen bald ein Ende. Der pH-Wert liegt idealerweise bei pH 5,5 , eine Ans\u00e4uerung mit Essig ist aber nicht notwendig, da das Regenwasser meist leicht sauer ist. Ich bevorzuge im Sommer die Ebbe und Flut Bew\u00e4sserung mit gelegentlichem \u00dcberbrausen, um Salz\u00fcbersch\u00fcsse (vom D\u00fcnger) auszusp\u00fclen. D\u00fcngerl\u00f6sung gebe ich von oben in den Topf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00f6pfe sind voller Adventivpflanzen. Einige Hybriden und Arten zeigen eine besonders starke vegetative Vermehrung. Wie und wann sollten die Pflanzen umgetopft und geteilt werden ?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte einmal pro Jahr umtopfen, am besten im Herbst, wenn der alte Trieb abgestorben und der Neutrieb stark genug ist. Wenn die Adventivpflanzen noch zu klein sind, kann man auch im Fr\u00fchjahr (Februar) umtopfen. In jedem Fall ist alles alte Substrat und der Rest der alten Pflanze zu entfernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sind&nbsp;<em>Disa<\/em>-Pflanzen anf\u00e4llig f\u00fcr Krankheiten oder Sch\u00e4dlinge ?<\/p>\n\n\n\n<p>Eher wenig. Werden die Bl\u00e4tter zu oft nass (beim Gie\u00dfen von oben) und fehlt Frischluft, k\u00f6nnen Blattpilze ein Problem werden. Schnecken muss man fernhalten. Im Alpinhaus ist das Wichtigste die L\u00fcftung und Ventilation.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kultur bedarf eines geringen Aufwandes, der sich f\u00fcr den Einen oder Anderen wegen&nbsp;&nbsp;einigen wenigen Pflanzen nicht auszahlen w\u00fcrde. Welche Pflanzen k\u00f6nnten unter analogen Verh\u00e4ltnissen mitkultiviert werden ?<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Viele Moororchideen sind da geeignet, wie&nbsp;<em>Calopogon<\/em>,&nbsp;<em>Spiranthes<\/em>-Arten,&nbsp;<em>Liparis loeselii<\/em>,&nbsp;<em>Pogonia, Habenaria radiata<\/em>&nbsp;etc, , aber auch zahlreiche Karnivoren!<\/p>\n\n\n\n<p>Herzlichen Dank f\u00fcr dieses informative Interview. Es w\u00e4re ein Erfolg, wenn einige Leser des OKs sich ermutigen lie\u00dfen und diese wundersch\u00f6nen Pflanzen wieder vermehrt in Sammlungen genommen werden!<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Literatur<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Crous H. und Duncan G., (2006).&nbsp;<em>Grow Disas<\/em>. National Biodiversity Institute, Claremont<\/p>\n\n\n\n<p>Linder, H.P. &amp;&nbsp;Kurzweil, H. (1999).&nbsp;<em>Orchids of Southern Africa<\/em>, A.A. Balkema, Rotterdam<\/p>\n\n\n\n<p>Stewart J. et. al., (1982).&nbsp;<em>Wild Orchids of Southern Africa<\/em>. Braamfontein,Johannesburg<\/p>\n\n\n\n<p>Wodrich K., (1997).&nbsp;<em>Growing South African Indigenous Orchids<\/em>. A.A. Balkema, Rotterdam<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gattung&nbsp;DISA&nbsp;P.J. Bergius Anhand einem herbarisierten Exemplar von&nbsp;Disa uniflora&nbsp;gr\u00fcndete der schwedische Arzt und Botaniker Peter Jonas Bergius im Jahre 1767 die Gattung&nbsp;Disa. Damit ehrte er die K\u00f6nigin Disa aus der schwedischen Mythologie. Andere Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die Benennung f\u00fchren auf das lateinische Wort&nbsp;dis ,&nbsp;\u00fcbersetzt reich oder opulent, hin. 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