{"id":21118,"date":"2019-12-05T23:10:18","date_gmt":"2019-12-05T23:10:18","guid":{"rendered":"https:\/\/cypripedium.at\/?p=21118"},"modified":"2019-12-16T16:07:40","modified_gmt":"2019-12-16T16:07:40","slug":"die-pflanzen-fuer-das-hochmoor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cypripedium.at\/?p=21118","title":{"rendered":"Hochmoor Publikation 2"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center\"><strong>Die Pflanzen f\u00fcr das Hochmoor<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\" class=\"has-text-align-center\">von Gerhard Raschun jun.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22387\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae.jpg 667w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae-600x900.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die extreme N\u00e4hrstoffarmut, der niedrigen pH-Wert ( Azidit\u00e4t), die permanente Wassers\u00e4ttigung und die extremen Temperaturschwankungen ( Tag- und Nachttemperaturen) lassen die Hochmoorlebensr\u00e4ume als lebensfeindlich erscheinen. Es bedingt eine hohe Anpassung von Spezialisten, welche als Hungerk\u00fcnstler mit diesen Lebensbedingungen ein Auskommen fristen, oder sich andere Quellen f\u00fcr die Stickstoff bzw. N\u00e4hrstoff- Versorgung erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als solches betrachtet, stellen Moorlebensr\u00e4ume gegen\u00fcber anderen Biotop-Typen eher artenarme Standorte dar, nicht vergleichbar mit einer Vielfalt, wie sie z.B. in den Tropen zu finden ist. Dennoch ist es m\u00f6glich seine Gartenanlage abwechslungsreich zu bepflanzen: Weitere Pflanzengattungen bzw. \u2013Arten aus anderen Regionen der gem\u00e4\u00dfigten Klimazone, d.h. aus den Hochmooren von Nord-Amerika, Japan und Patagonien ,&nbsp;&nbsp;sind hier ausreichend winterhart und bieten sich f\u00fcr eine Pflanzung an.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Torfmoos (&nbsp;<\/strong><em><strong>Sphagnum<\/strong><\/em><strong>&nbsp;)<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Ma\u00dfgeblich ist das Torfmoos f\u00fcr die extremen Lebensbedingungen im Hochmoor verantwortlich. Es besitzt keine Wurzeln und ern\u00e4hrt sich ausschlie\u00dflich vom Regenwasser und deren wenigen N\u00e4hrstoffen und speichert es. Im Gegenzug werden Wasserstoff-Jonen abgegeben, die ein saures Milieu erzeugen, und so das Aufkommen von Konkurrenz unterdr\u00fccken. Torfmoose sind st\u00e4ndig im Wachstum, an ihrer Basis kann das Gewebe sich aufgrund des Sauerstoffmangels jedoch nicht restlos zersetzen, weshalb der Moorboden st\u00e4ndig w\u00e4chst. Die 35 in Mitteleuropa vorkommenden Arten sind durch Standortzerst\u00f6rung bedroht und daher gesch\u00fctzt. F\u00fcr die Verwendung in der Hochmoor-Anlage an sehr nassen Stellen sind besonders das Spie\u00df-Torfmoos (<em>Sphagnum cuspidatum<\/em>&nbsp;), bzw.<em>&nbsp;S. balticum<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>S. dusenii&nbsp;<\/em>geeignet<em>.<\/em>&nbsp;An erh\u00f6hten, trockeneren Stellen, sogenannte Bulten, wachsen&nbsp;&nbsp;das Magellans Torfmoos (&nbsp;<em>S. magellanicum<\/em>&nbsp;), das besonders sch\u00f6ne R\u00f6tliche Torfmoos (&nbsp;<em>S. rubellum<\/em>&nbsp;) und das Braune Torfmoos (&nbsp;<em>S. fuscum<\/em>&nbsp;).<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Fleischfressende Pflanzen ( Karnivoren&nbsp;<\/strong>)<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Sarracenia-leucophylla-rot-selektiert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22385\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Sarracenia-leucophylla-rot-selektiert.jpg 667w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Sarracenia-leucophylla-rot-selektiert-600x900.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Sarracenia-leucophylla-rot-selektiert-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Fleischfressende Pflanzen haben eine Anpassung an den kargen Lebensraum&nbsp;&nbsp;gefunden, indem sie Insekten fangen. Bei der anschlie\u00dfenden Verdauung werden durch Enzyme die pflanzenverwertbaren N\u00e4hrstoffe gewonnen. Die Insekten werden aktiv z.B. durch die Venusfliegenfalle (&nbsp;<em>Dionaea muscipula<\/em>&nbsp;) , den Wasserschlauch (&nbsp;<em>Altrovanda&nbsp;<\/em><em>vesiculosa<\/em>&nbsp;) , oder&nbsp;&nbsp;passiv, z.B. den Sonnentau-Arten (&nbsp;<em>Drosera spp<\/em>.) oder Schlauchpflanzen (<em>Sarracenia spp.<\/em>), gefangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders im Sonnenlicht sind beim Sonnentau die an Dr\u00fcsen gebildeten, klebrigen Fl\u00fcssigkeitstropfen zu bewundern. Diese vermeindlichen Nektartr\u00f6pfchen werden den Insekten zur t\u00f6dlichen Falle, an der sie kleben bleiben. F\u00fcr die Gartenanlage sind folgende Sonnentau-Arten geeignet: Der rundbl\u00e4ttrige Sonnentau (&nbsp;<em>Drosera rotundifolia<\/em>&nbsp;&nbsp;) w\u00e4chst auf den Sphagnum-Polstern, an denen er etwas trockener sitzt. Der mittlere Sonnentau (&nbsp;<em>Dr. intermedia<\/em>&nbsp;) bevorzugt die Schlenken, die fakultativ auch \u00fcberschwemmt werden k\u00f6nnen. Der ebenfalls heimische langbl\u00e4ttrige Sonnentau (&nbsp;<em>Dr. anglica<\/em>&nbsp;) meidet Konkurrenz und liebt offene Torffl\u00e4chen. An identischen Stellen f\u00fchlt sich auch der nahestehende amerikanische Verwandte, der fadenf\u00f6rmige Sonnentau (&nbsp;<em>Drosera filliformis<\/em>&nbsp;) wohl, der mit seinen d\u00fcnnen, senkrecht nach oben weisenden Bl\u00e4ttern schon 30cm erreichen kann. Nur begrenzt geeignet ist der mit Rhizome wachsende, gegabelte Sonnentau (&nbsp;<em>Dr. binata<\/em>&nbsp;). Nach einem schneelosen, sehr kalten Winter kann er ausbleiben. Gleiches gilt f\u00fcr die aus dem Bergland Neuseelands stammenden Sonnentau-Arten .<\/p>\n\n\n\n<p>Die Venusfliegenfalle (&nbsp;<em>Dionaea muscipula<\/em>) aus dem S\u00fcdosten Amerikas stellt Insekten mit ihren Klappfallen nach. Viele einzigartige Mutationen wurden selektiert, tiefrote Pflanzen , mit starker oder langer Bezahnung etc. .&nbsp;&nbsp;Leider sind nur wenige Klone ausreichend hart bzw. da unsere Vegetationsperiode zu kurz ist, verlieren die Rosetten von Jahr zu Jahr an Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche Strategie zum Insektenfang wie der Sonnentau, machen sich die Fettkr\u00e4uter zum Nutzen: An der Oberfl\u00e4che der sukkulenten Bl\u00e4tter der bodenaufliegenden Rosetten wird durch Dr\u00fcsen ein Sekret abgesondert. Angelockte M\u00fccken haften daran. Viele Liebhaber tropischer Arten machen sich dies zu nutzen, und verwenden tropische Arten zur Reduktion von Trauerm\u00fccken im Gew\u00e4chshaus. F\u00fcr das Freilandmoor sind insbesondere das Gew\u00f6hnliche Fettkraut (&nbsp;<em>P. vulgaris<\/em>&nbsp;) und das Gro\u00dfbl\u00fctige Fettkraut (&nbsp;<em>P. grandiflora<\/em>&nbsp;) geeignet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit sieben Arten sind die Wasserschl\u00e4uche (&nbsp;<em>Ultricularia spp<\/em>. ) in Europa verbreitet. Alle leben aquatisch, d.h. sie ben\u00f6tigen eine Schlenke oder eine st\u00e4ndig nasse Pflanzstelle. Durch kleine Saugfallen werden Wasserfl\u00f6he gefangen. Die h\u00fcbschen kleinen Bl\u00fcten stehen 10 bis 15cm \u00fcber der Wasser- bzw. Substratoberfl\u00e4che, und bestechen durch ihre kr\u00e4ftige gelbe Farbe. Neben&nbsp;<em>U. vulgaris, U. australis, U. minor<\/em>, und&nbsp;<em>U. intermedia<\/em>&nbsp;bietet sich f\u00fcr eine Bepflanzung auch die aus Kanada stammende&nbsp;<em>U. cornuta<\/em>&nbsp;an. Die Art w\u00e4chst terrestrisch und bevorzugt daher trockenere Standorte, die wegen der nur 2mm langen Bl\u00e4tter auch vor zu starkem Konkurrenzdruck offen gehalten werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl am eindruckvollsten pr\u00e4sentieren sich die Schlauchpflanzen (&nbsp;<em>Sarracenia spp<\/em>. ) im Hochmoor. Die 8 Arten, mit vielen Unterarten und noch zahlreicheren Farbformen, kommen aus dem Osten bzw. S\u00fcdosten Nordamerikas. Die zumeist aufrechten Bl\u00e4tter bilden R\u00f6hren, die durch Duft, F\u00e4rbung und Nektarsekrete Insekten anlocken. Beute, die ins Innere der Schl\u00e4uche gefallen ist, wird durch Verdauungss\u00e4fte zersetzt, die freigesetzten N\u00e4hrstoffe absorbiert. Besonders bei rot \u00fcberf\u00e4rbte oder rot geaderte&nbsp;<em>S. flava<\/em>&nbsp;\u2013 Klonen (&nbsp;<em>var. rupricorpora, var. altropurpurea, var. odorata<\/em>&nbsp;) k\u00f6nnen nach kurzer Zeit die Horste, mit bis zu 1m hohen Schl\u00e4uchen, zum Blickfang werden. Auch&nbsp;<em>S. leucophylla<\/em>&nbsp;, mit ihren im oberen Drittel genetzten Schl\u00e4uchen, oder&nbsp;<em>S. alata<\/em>&nbsp;mit beinahe schwarz gef\u00e4rbten Schl\u00e4uchen, k\u00f6nnen beachtliche H\u00f6hen erreichen. Kleinbleibende Arten mit waagrechten Bl\u00e4ttern, z.B.&nbsp;<em>S. purpurea<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>S. psittacina<\/em>, sind besonders f\u00fcr kleine Anlagen geeignet. Die Pflanzen bl\u00fchen vor dem Erscheinen der Bl\u00e4tter, etwa Ende Mai. Trotz der nach 2 Wochen abgeworfenen Bl\u00fctenbl\u00e4tter, zieren die Bl\u00fctenst\u00e4nde bis sp\u00e4t in den Herbst hinein die Anlagen. Die nah verwandte und sehr eindrucksvolle Kobralilie (&nbsp;<em>Darlingtonia californica<\/em>) stammt aus Kalifornien, und stellt einen schwierigen Kandidaten f\u00fcr die Mooranlage in unseren Breiten dar.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Orchideen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"is-layout-flex wp-block-gallery-1 wp-block-gallery columns-3 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-hyperhaematodes-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-hyperhaematodes-1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"22389\" data-link=\"https:\/\/cypripedium.at\/?attachment_id=22389\" class=\"wp-image-22389\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-hyperhaematodes-1.jpg 667w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-hyperhaematodes-1-600x900.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-hyperhaematodes-1-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/a><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae-variegata.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae-variegata.jpg\" alt=\"\" data-id=\"22390\" data-link=\"https:\/\/cypripedium.at\/?attachment_id=22390\" class=\"wp-image-22390\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae-variegata.jpg 667w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae-variegata-600x900.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Cypripedium-reginae-variegata-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/a><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-ericetorum.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-ericetorum.jpg\" alt=\"\" data-id=\"22391\" data-full-url=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-ericetorum.jpg\" data-link=\"https:\/\/cypripedium.at\/?attachment_id=22391\" class=\"wp-image-22391\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-ericetorum.jpg 667w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-ericetorum-600x900.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Dact-ericetorum-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/a><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Dem N\u00e4hrstoffmangel zum Trotz haben einige lichthungrige Orchideen-Arten das Moor zum Lebensraum erobert. Die wohl eindruckvollste Erscheinung ist der aus Nordamerika stammende stengellose Frauenschuh (&nbsp;<em>Cypripedium acaule<\/em>&nbsp;). Die heikle Sch\u00f6nheit bevorzugt erh\u00f6hte, trockenere Pflanzstellen. Steigt der pH-Wert im Pflanzsubstrat, etwa durch Auswaschung ( Regen ) der Humins\u00e4uren, verschwindet er bald wieder. Besorgte Liebhaber sind daher gezwungen die Azidit\u00e4t des Substrates st\u00e4ndig zu kontrollieren bzw. bei Bedarf mit Apfelessig anges\u00e4uertem Regenwasser zu gie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die w\u00fcchsigste Art f\u00fcr die Mooranlage ist die nordamerikanische&nbsp;&nbsp;<em>Pogonia ophioglossoides<\/em>. Aus einem Rhizom entspringt der einbl\u00e4ttrige Spross, der am Ende ein bis zwei rosaf\u00e4rbige Bl\u00fcten tr\u00e4gt. Die Art neigt stark zur vegetativen Vermehrung. Bestandsbildend kann sie eine Mooranlage f\u00fcr 2 bis 3 Wochen&nbsp;&nbsp;in ein bezauberndes Rosa tauchen. Leider sind bisher wei\u00dfbl\u00fctige, oder gar gelblich bl\u00fchende Pflanzen, wie ich sie 1998 in New England beobachten konnte, noch nicht in Kultur gekommen. Die n\u00e4chste verwandte Art,&nbsp;<em>P. japonica<\/em>&nbsp;,&nbsp;&nbsp;kommt aus China und Japan. Sie entspringt jedoch aus einer Knolle und das Laubblatt ist&nbsp;&nbsp;lanzettlich. Wegen der Autogamie \u00f6ffnet die endst\u00e4ndige Bl\u00fcte nicht vollkommen. In Kultur sind Albinos und auch besonders dunkelbl\u00fctige Klone aufgetaucht. Die nahe verwandte Gattung&nbsp;<em>Cleistes<\/em>&nbsp;&nbsp;beinhaltet auch einige f\u00fcr das Moor geeignete Arten.<\/p>\n\n\n\n<p>Morphologisch von \u00e4hnlicher Gestalt ist&nbsp;<em>Calopogon tuberosus<\/em>, mitunter die bekannteste Moorochidee. Der Bl\u00fctenstand erreicht bis 50 cm H\u00f6he und tr\u00e4gt bis zu 10 Bl\u00fcten , welche einen Durchmesser von 4cm besitzen und nicht resupiniert sind, d.h. das Labellum steht nach oben. Mit ihrer pinken Bl\u00fctenf\u00e4rbung besitzen die Bl\u00fctenst\u00e4nde weithin eine Signalwirkung. Auch wei\u00dfbl\u00fctige Pflanzen sind in der Kultur. 4 weitere nordamerikanische Arten der Gattung haben leider noch keinen Weg in europ\u00e4ische Sammlungen gefunden. Fruchtende Pflanzen sollte man ausreifen lassen, denn die Art vermehrt sich gut generativ, die ersten S\u00e4mlinge kommen bereits im 2ten Vegetationsjahr zur Bl\u00fcte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die japanische Vogelblume (&nbsp;<em>Habenaria radiata<\/em>&nbsp;) ist eine bekannte Art, welche wie der Name verr\u00e4t in den Mooren Japans zuhause ist. Sie wird in gro\u00dfen Mengen nach Europa importiert, leider vertrocknen die kleinen Knollen aber rasch. Die im Handel erh\u00e4ltliche Ware ist in den meisten F\u00e4llen nicht verwertbar. Die wei\u00dfe Bl\u00fcte erinnert mit dem zerfransten Labellum an einen Vogel. Die recht sp\u00e4t im Oktober erscheinenden Bl\u00fcten sind ein wahrer Blickfang. Obwohl die Pflanzen winterhart sind, empfehle ich eine frostfreie \u00dcberwinterung, und ein Vortreiben im Fr\u00fchjahr: Im Freiland ist die Vegetationszeit zu kurz, erste Frostn\u00e4chte beenden das Wachstum. Die Pflanze kann keine ausreichenden Reserven in der neuen Knolle anlegen. Wird durch ein fr\u00fches Antreiben die Vegetationsperiode wesentlich verl\u00e4ngert, neigt die Art stark zur vegetativen Vermehrung durch Stolonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenige Knabenkraut-Arten sind f\u00fcr das Hochmoor geeignet:&nbsp;<em>Dactylorhiza sphagnicola<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Dact. maculata ssp. elodes<\/em>, beide aus dem Norden Europas,&nbsp;&nbsp;kommen gut mit dem geringem N\u00e4hrstoffgehalt im Biotop zurecht. Andere Arten w\u00fcrden k\u00fcmmern und kaum zur Bl\u00fcte gelangen. Gleiches gilt f\u00fcr&nbsp;<em>Anacamptis<\/em>-Arten, die nicht ins Hochmoor geh\u00f6ren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Besondere Aufmerksamkeit erzielen auch amerikanische Waldhyazinthen- Arten (&nbsp;<em>Platanthera spp.<\/em>&nbsp;), darunter besonders&nbsp;<em>Pl. blephariglottis, Pl. grandiflora, Pl. psycodes<\/em>&nbsp;und die orange bl\u00fchenden&nbsp;<em>Pl. ciliaris<\/em>&nbsp;\/&nbsp;<em>Pl. cristata<\/em>. Leider ist die Kultur sehr schwierig, die Pflanzen daher nicht immer langlebig und selten erh\u00e4ltlich. Der Liebhaber sch\u00e4tzt diesen Aufwand sobald die Pflanzen im Hochmoor erbl\u00fchen !<\/p>\n\n\n\n<p>Erst im Herbst zeigen die Dreh\u00e4hren (&nbsp;<em>Spiranthes spp.<\/em>&nbsp;) ihre Bl\u00fcten. Kennzeichnend f\u00fcr die Gattung ist der spiralf\u00f6rmige Bl\u00fctenstand mit kleinen, wei\u00dfen Bl\u00fcten. Besonders&nbsp;<em>Sp. cernua<\/em>,&nbsp;<em>Sp. odorata<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Sp. ochroleuca<\/em>&nbsp;eignen sich. Die Kultur der europ\u00e4ischen Arten&nbsp;<em>Sp. aestivalis<\/em>&nbsp;( Sommerdreh\u00e4hre ) und&nbsp;<em>Sp. romanzoffiana<\/em>&nbsp;sind leider schwierig: Beide sind keine Hochmoorarten, die Topf-Kultur in reinem Torf&nbsp;&nbsp;gelingt sehr gut. Im Freiland jedoch sind diese Arten sehr empfindlich gegen\u00fcber jeglichen Konkurrenzdruck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Spiranthes-sinensis.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22384\" srcset=\"https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Spiranthes-sinensis.jpg 667w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Spiranthes-sinensis-600x900.jpg 600w, https:\/\/cypripedium.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Spiranthes-sinensis-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nur bedingt geeignet ist das Torfglanzkraut (&nbsp;<em>Liparis loeselii<\/em>&nbsp;), ist es doch ein typischer Kalk-Flachmoor-Bewohner. Nur selten findet man die Pflanze in sauren Moorgesellschaften. In der Gartenanlage kann die Pflanze an offenen Stellen kultiviert werden.&nbsp;&nbsp;Auch das herzbl\u00e4ttrige Zweiblatt (&nbsp;<em>Listera cordata<\/em>&nbsp;) kann an h\u00f6heren, absonnigen Stellen kultiviert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die monotypische Sumpf-Weichorchis (&nbsp;<em>Hammarbya paludosa<\/em>&nbsp;) ist ideal auf das Wachstum in heimischen Hochmooren angepasst. Mit ihren kleinen, gr\u00fcnen Bl\u00fcten f\u00e4llt sie aber kaum auf. Es handelt sich um eine gro\u00dfe Rarit\u00e4t unserer Breiten, ist leider&nbsp;&nbsp;nicht aus k\u00fcnstlicher Anzucht erh\u00e4ltlich. Auch die empfindliche&nbsp;<em>Arethuso bulbosa<\/em>&nbsp;aus Nordamerika ist derzeit nicht im Handel.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Geh\u00f6lze<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Nur wenige Geh\u00f6lze sind an den dauernassen Standort im Hochmoor angepasst. Sobald die Wurzeln von Kiefern-S\u00e4mlingen den Grundwasserspiegel erreichen, sterben diese ab und die Pflanzen k\u00fcmmern in weiterer Folge.&nbsp;&nbsp;Die Rotf\u00f6hre (&nbsp;<em>Pinus sylvestris<\/em>&nbsp;), oder besser die Sumpf-Kiefer (&nbsp;<em>Pinus palustris<\/em>&nbsp;) sind nur f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Anlagen geeignet. An den F\u00fcssen von Geh\u00f6lzen entstehen nach Jahren hohe Moospolster, die durch den trockeneren Standort wieder eine Nische f\u00fcr diesbez\u00fcglich angepasste Pflanzen bilden . Die heimische Zwerg-Birke (&nbsp;<em>Betula nana<\/em>&nbsp;) erreicht kaum mehr als 1m H\u00f6he, und ist gegen\u00fcber der Moor-Birke (&nbsp;<em>Betula pubescens<\/em>) gut f\u00fcr den Garten geeignet.&nbsp;<br><br>Viele Pflanzen der Heidekrautgew\u00e4chse (&nbsp;<em>Ericaceae<\/em>&nbsp;) sind auf diesen Extremstandort ideal angepasst. Die Torfgr\u00e4nke (<em>Chamaedaphne calyculata )&nbsp;<\/em>aus Nordeuropa ist sehr langsamw\u00fcchsig und erreicht eine H\u00f6he von 50 bis 70 cm. Der Sumpfporst ( Synonym:&nbsp;&nbsp;<em>Ledum palustre<\/em>,&nbsp;&nbsp;<em>Rhododendron tomentosum&nbsp;<\/em>) und f\u00fcr k\u00fchlere Standorte der Gr\u00f6nl\u00e4ndische Porst (Synonym:&nbsp;<em>Ledum groenlandicum<\/em>,&nbsp;<em>Rhododendron groenlandicum<\/em>&nbsp;) sind weitere&nbsp;&nbsp;Zwerg-Geh\u00f6lze, welche f\u00fcr eine Hintergrundbepflanzung geeignet sind. Die etwas erh\u00f6ht gepflanzte, einheimische Rostbl\u00e4ttrige Alpenrose (&nbsp;<em>Rhododendron ferrugineum<\/em>&nbsp;) k\u00fcmmert jedoch, und kommt niemals zur Bl\u00fcte. Weitere geeignete Vertreter der Heidekrautgew\u00e4chse w\u00e4ren die Rosmarinheide (<em>Andromeda polifolia<\/em>&nbsp;&nbsp;), verschiedene Heidelbeer-Arten ( Vaccinium spp. ) , Schuppenheiden (&nbsp;<em>Cassiope spp.<\/em>&nbsp;), die Schwarze Kr\u00e4henbeere (&nbsp;<em>Empetrumnigra<\/em>&nbsp;), Lorbeerrosen ( z.B.&nbsp;<em>Kalmia polifolia<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>K. angustifolia<\/em>&nbsp;)&nbsp;&nbsp;u.v.a.m.<\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Bl\u00fctenstauden<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine individuelle Gestaltung k\u00f6nnen weiters Bl\u00fctenstauden verwendet werden. Besonders erw\u00e4hnenswert w\u00e4re&nbsp;<em>Helonias bullata<\/em>&nbsp;mit bis zu 50cm hohen, rosa gef\u00e4rbten Bl\u00fctenst\u00e4nden, sowie der zierliche Siebenstern (&nbsp;<em>Trientalis europeum<\/em>&nbsp;) und die Japanische Moorsimse (&nbsp;<em>Tofieldacoccinea<\/em>&nbsp;). Mit&nbsp;<strong><em>Narthecium ossifragum<\/em>&nbsp;kann die Anlage gelb eingef\u00e4rbt werden.&nbsp;<em>Pratia<\/em>&nbsp;<em>pedunculata<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Wahlenbergia hederacea<\/em>&nbsp;( beide&nbsp;<em>Campanulaceae<\/em>&nbsp;) m\u00fcssen durch Rhizomsperren am Wuchern gehindert werden. Eine besondere Rarit\u00e4t ist&nbsp;<em>Lilium catesbaei<\/em>, welche am Standort in Nordamerika zusammen mit&nbsp;<em>Sarracenia leucophylla<\/em>&nbsp;zu finden ist. Es ist eine der wenigen Lilien, die staunasse Habitate bevorzugt, und bereits im zweiten Jahr nach der Aussaat bl\u00fcht. Leider ist sie nicht winterhart und sehr kurzlebig, die Bl\u00fctenpracht kompensiert den Aufwand der Erhaltung !<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h5><strong>Problempflanzen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Seggen (&nbsp;<em>Carex spp.<\/em>) geh\u00f6ren sicher zu den problematischen Pflanzen im Hochmoor. Sie bilden starke Horste, welche schwer zu entfernen sind, und vermehren sich stark durch Aussaat. Auch bei der Pflanzung von Wollgr\u00e4sern (&nbsp;<em>Eriophorum spp.<\/em>&nbsp;) ist auf deren Vermehrungsdrang zu achten. W\u00e4hrend der Bl\u00fctezeit zieren die&nbsp;&nbsp;wei\u00dfen und orangen Wollsch\u00f6pfe die Gartenanlage,&nbsp;&nbsp;k\u00f6nnen aber durch die Bildung von Horsten, Ausl\u00e4ufern oder durch Saatschleudern \u00dcberhand nehmen. Die Alpen-Haarbinse (&nbsp;<em>Trichophorum alpinum<\/em>&nbsp;) ist jedoch ein zierliches Wollgras, welches uneingeschr\u00e4nkt empfohlen werden kann. Auch Veilchen (&nbsp;<em>Viola palustris<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>V. lanceolata<\/em>&nbsp;) k\u00f6nnen durch Saatschleudern und Ausl\u00e4uferbildung invasiv werden. Farne geh\u00f6ren nicht ins Hochmoor: Sie bleiben durch den N\u00e4hrstoffmangel zwar zierlich, k\u00f6nnen aber durch Ausl\u00e4ufer die Gartenanlage ungew\u00fcnscht durchwandern.<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die hier aufgez\u00e4hlten Pflanzenbeispiele besitzen kein Recht auf Vollst\u00e4ndigkeit. Es ist&nbsp;&nbsp;vielmehr ein Vorschlag f\u00fcr die Bepflanzung von Hochmooranlagen, begr\u00fcndet auf die&nbsp;&nbsp;Kulturerfahrung des Autors bzw.&nbsp;&nbsp;die kommerzielle Erh\u00e4ltlichkeit. F\u00fcr die Wahl des Liebhabers wird nicht nur der individuelle Geschmack, sonder auch die Art , die Lage und Gr\u00f6\u00dfe der Anlage selektieren. Die doch gro\u00dfe Auswahl stellt der Kreativit\u00e4t sicherlich keine Grenze !<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgt Teil 3: Der Bau und die Pflege einer Hochmoor-Anlage<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pflanzen f\u00fcr das Hochmoor von Gerhard Raschun jun. Die extreme N\u00e4hrstoffarmut, der niedrigen pH-Wert ( Azidit\u00e4t), die permanente Wassers\u00e4ttigung und die extremen Temperaturschwankungen ( Tag- und Nachttemperaturen) lassen die Hochmoorlebensr\u00e4ume als lebensfeindlich erscheinen. 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