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Das großblättrige Netzblatt, Goodyera macrophylla LOWE, nach 13 Jahren in Blüte

 

Goodyera macrophylla gehört mitunter zu den seltensten Pflanzen der Welt. Die auf Madeira endemische Pflanze ist ( war !) an feuchten und schattigen Stellen in den Laurazeenwäldern in 300-800m  Höhe zu finden. Die Individuen-Anzahl wird nach einem Stand von 2006 1)  auf 250 Stück geschätzt. Diese Einschätzung dürfte allerdings zu hoch gegriffen sein, werden doch seit Jahren trotz in Aussicht gestellter Prämien keine Neufunde von den Forstarbeitern gemeldet.
 

Als Hauptursache für das Verschwinden wird die Entnahme von Pflanzen angenommen.  Dies ist zu bezweifeln, da diese seltene Orchidee in steilen und unzugänglichen Gebiet vorkommt, sodaß es bei der Suche nach ihr schon Todesopfer durch Abstürze ( Ribeira do Seixal) gab.
 
Die autochthone Vegetation dieser einzigartigen Atlantikinsel leidet sehr unter dem Einfluß des zunehmenden Tourismus, der Überbeweidung bzw. unter dem Existenzdruck durch eingeführten Pflanzen anderer Kontinente ( z.B. Eukalyptuswälder). Erst ab einer Höhe von 700 m NN ist eine natürliche Vegetation zu finden. Geeignete Standorte für G. macrophylla verschwinden zusehends durch anthropogene
  Einflüsse, mit einer Erholung des Bestandes ist nicht zu rechnen.

Die Auflistung der ursprünglichen Standorte ( UTM ) besitzt lediglich historische Bedeutung:

CB 0033 Ribeira Funda

CB 0230 Ribeira do Seixal

CB 2323 Ribeiro Frio
 
Heute sind Pflanzen auf Madeira nur mehr im Bereich der Forellenzucht Ribeiro Frio zu finden, und werden durch Eisenkäfige geschützt und bewacht.

 

Kultur

Es sind keine Meldungen über die Kulturführung in Sammlungen bekannt. Möller / Deutschland war der Einzige, der mit Fotobelegen einer blühenden Pflanzen die erfolgreiche Kultur belegte[3]. Kurz darauf wurden Sämlinge (Flaschenware) von einem ihm nahestehenden Orchideenhändler angeboten. Über eine Kulturbestand dieser Sämlinge wurde nie berichtet, und ist demnach zu bezweifeln.

Prof. K. Robatsch ( 1999 verstorben ),  Phänologe, der besonders durch seine Verdienste mit der Bearbeitung der Gattung Epipactis ZINN Bekanntheit erlangte, übergab 1994 eine Pflanze in unserer Obhut ( Die Pflanze ist bei der Kärntner Landesregierung registriert). Die Pflanze war bereits etliche Jahre in Kultur von Prof. K. Robatsch, ohne jemals geblüht zu haben.

Die Pflanze aus vegetativer Vermehrung wurde im 13er Topf in ein Gemisch aus Rindenhumus : Perlit : Lehm 2 : 1: 1 kultiviert. In einem schattierten Kalthaus wurde G. macrophylla gemeinsam mit Cypripedien gehalten, während des Winters bei 5°C frostfrei temperiert.

2007 zeigte sich erstmals eine Infloreszens. Die Blüten öffneten sich im Juli  ( Blütezeit auf Madeira von Juli bis November  ) .

        Goodyera macrophylla          Goodyera macrophylla - Infloreszens
        Goodyera macrophylla , Pflanze in Blüte                                                                                                            Goodyera macrophylla - Infloreszens

        Goodyera macrophylla - Blüten
        Goodyera macrophylla - Einzelblüten

Diese Aufnahme dürfte eine der wenigen ohne Gitterstäbe im Hintergrund sein, vgl. Delforge ( Rückbrodt, 1991).

 

Zucht

Einige Blüten an der  Pflanze wurden polliniert. Nach ca. 10 Wochen wurde Saatgut geerntet. Mit 0,3% igem und 0,5%igen Natriumhypochlorit  behandelte Samen wurden auf SM-Nährboden ausgesät. Im Dunklen bei 22°C aufbewahrt zeigten sich nach 3 Wochen einige wenige Protokorme in den Kulturen, welche mit höherer NaOCl-Konzentration behandelt wurde. Die Keimrate blieb dabei unter 3% ! Weitere Aussaatversuche wurden durchgeführt und die Ergebnisse werden demnächst erwartet. Auf neues Medium gebettete Protokorme wachsen nur zögerlich weiter.

Sehr oft wurde auf die Blühunwilligkeit der Art hingewiesen. Eine vegetative Vermehrung ist auch in unserer Kultur bemerkbar, weshalb angenommen werden kann, dass die vegetative gegenüber der generativen Vermehrung eine nicht zu unterschätzende Rolle einnimmt, ähnlich wie bei unserer heimischen Art Goodyera repens.

Kindelbildung

Möller ( mündl. Mitteilung bzw. [3]) berichtet von Kindelbildung an der blühenden Infloreszens ! Er besprühte den Blütenstand mit Zimtwasser. Durch die Wirkung der Phytohormone erwirkte er die Bildung von Kindelpflanze !

Bisher war die Bildung von Kindeln nur bei epiphytischen Orchideenarten, z.B. Phalaenopsis und Dendrobium bekannt.

 

Literatur

ad 1) www.icnb.pt/.../Goodyera_macrophylla/species-goodyera-macrophylla.doc

[1] Delforge, P.(1995): ORCHIDS of Great Britain and Europa.- HarperCollins Publisher

[2]Möller, O. : Mündliche und schriftliche Mitteilungen

[3]Möller, O. (2007): Goodyera .- Die Orchidee 58(5): 591 s.63-66

[4]Rückbrodt, U. & D. (1990): Beitrag zur Kenntnis und Verbreitung der Orchideen von Madeira. - Ber. Arbeitskreis Heimischer Orchideen 7 (1): 44-53

[5]Salkowski, H.-E. (1988): Bemerkungen zu Goodyera macrophylla LOWE auf Madeira .-  Ber. Arbeitskreis Heimischer Orchideen 5 (1/2): 55-58

 

G. Raschun, am 24.07.2009 

 

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