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Winterharte Orchideen im Garten- leicht gemacht: Das Hochmoor

von Gerhard Raschun jun.

Für Orchideenliebhaber  liegt der Wunsch nahe,  auch winterharte Orchideen-Arten im eigenen Garten naturnah und Standort-getreu zu kultivieren. Viele scheuen den Aufwand, d.h. die Errichtung und die Pflege einer Anlage, bzw. werden durch Verluste von Pflanzen in ihrem Vorhaben nicht bestärkt.

Der Autor befasst sich seit rund 20 Jahren mit der Zucht und Kultur von Erdorchideen. Müsste man sich für nur eine Möglichkeit der Gartenkultur entscheiden, die Wahl fiel zweifelsfrei auf das Hochmoor : Beginnend im Mai mit dem Austrieb und der Blüte, begeistert es hindurch bis in den Herbst hinein. Selbst die im Frost stehenden Pflanzen besitzen noch ihren Reiz. Für den Betrachter zählen nicht nur die ästhetischen Argumente, stellt ein Hochmoor doch auch einen sehr wertvollen Lebensraum dar. Neben Amphibien, die offene Wasserstellen und Schutzmöglichkeit vorfinden, zieht es zahlreiche nützliche Insekten an. Spinnen, Grabwespen und Libellen lauern auf fette Beute, Insekten die zur Wasseraufnahme oder zum Blütenbesuch das Moor aufsuchen.

Beschreibung

Unter einem Moor versteht man einen beständig nassen Lebensraum. Durch den ständigen Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwasser entsteht im Boden ein Sauerstoffmangel, welcher den Abbau von pflanzlichen Resten nur unvollständig zulässt: Es bildet sich Torf und ein Moorboden. Wird durch einen wasserstauenden Boden ein Moor nur von Regenwasser gespeist ( ombotroph ) , spricht man von einem Hochmoor. Typisch für diesen Moortyp ist der geringe Gehalt an Stickstoff und sonstigen Nährstoffen (oligotroph), der hohe Anteil an Kohlenstoff ( Torf ) , und der niedrige pH-Wert zwischen 3 und 4,8.

Ein typisches Hochmoor zeichnet sich durch einen geschlossenen Torfmoosrasen ( Oxycocco Sphagnetea) aus.

Artenvielfalt/ Konkurrenzdruck

Viele der Erdorchideen besiedeln Standorte, die nicht ein Optimum ihre Ansprüche darstellt. Vielmehr sind es Pionier- oder Extremstandorte mit nicht günstigen Vorraussetzungen für das Wachstum anderer Pflanzen. Die extreme Nährstoffarmut, der niedrige pH-Wert und die permanente Wassersättigung lassen in einem Hochmoor nur das Wachstum von Spezialisten zu, dies sind neben einigen Orchideen-Arten verschiedene Torfmoose, Ericaceen, Insektivoren und Seggen.

Allgemein zur Pflege

Gegenüber anderen Standorttypen benötigt ein Hochmoor kaum Pflege und sehr wenig Aufwand zur Erhaltung. Bei überlegter Bauweise mit einem großen Wasserreservoir wird der notwendige Arbeitsaufwand auf nur wenige Wassergaben während Niederschlags-freien Hitzeperioden und dem Beseitigen von Pflanzenresten im Herbst beschränkt.

Schlußwort

Das Hochmoor ist nicht nur für einige sehr angepasste Orchideen-Arten ein Lebensraum, erst in Gemeinschaft mit den entsprechenden Begleitstauden entsteht ein einzigartiges Ökosystem. Nach der Erst-Bepflanzung lässt sich noch kaum erahnen, wie sich das Biotop weiterentwickelt. Erst einmal eingewachsen bezaubert es jedes Frühjahr mit einer zunehmenden Orchideenblütenflor. Ein wenig Geduld muss man schon mitbringen, bis sich eine geschlossene Torf-Moosdecke ( Sphagnum spp.)gebildet hat, die Wollgräser (Eriophorum ssp., Trichophorum alpinum) ihre Wollschöpfe präsentieren, und starke Horste der Schlauchpflanzen bis zu 15 oder gar 20 Blüten zeigen. Hat sich ein biologisches Gleichgewicht eingestellt, zeigen sich auch erste Sämlinge verschiedener Sonnentau ( Drosera spp.) -Arten, von Schlauchpflanzen (Sarracenien spp.)  und auch von Orchideen.

Aus vielen Gründen ist mir das Hochmoor in der Gartenanlage sehr ans Herz gewachsen. Es wurde zu einem Ort der Entspannung. Bereits auf eine Vielzahl von Pflanzenfreunde sprang der Moor-Virus ebenfalls über- und keiner nahm es mir je übel !

Fortsetzung:

Teil 2   Die Pflanzen für das Hochmoor

Teil 3   Anlegen und Pflege des Hochmoors

 

Literatur

      Maier, E. ( 2006) : Das Moor im eigenen Garten. Natur und Tier-Verlag

Raschun, G. jun. : www.cypripedium.at/product47.html

 

 

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