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 Anleitung zum Bau einer Mooranlage

Für Orchideenliebhaber und - kultivateure liegt der Wunsch nahe, Orchideen-Arten im eigenen Garten naturnah und Standort-getreu zu kultivieren.Der Bau und weitere Betreuung sind wenig Zeit intensiv, soferne die wichtigsten Punkte beachtet werden.

blühende Hochmoor-Anlage

 

 

Grundlage

Unter feuchte Wiesen und Moore versteht man ganzjährig feuchte bzw. nasse Standorte. Nur bei längeren Trockenperioden ist ein kurzzeitiges Austrocknen möglich. Liegt am Standort torfiger Boden vor, spricht man von einem Moor, fehlt dieser, handelt es sich um einen Sumpf. Je nach Nährstoffgehalt wird zwischen Flach- und Hochmoor unterschieden. Die Übergangsform wird Zwischenmoor genannt. Während Hochmoore von mineralstoffarmen Regenwasser gespeist werden, und sich uhrglasförmig über den Grundwasserspiegel wölben, werden Flachmoore durch mineralstoffreichen Quell- oder Grundwasser gebildet.

Standort/Lage

Als Standort für eine Mooranlage kommen sehr sonnige Stellen im Garten in Frage. Der gewählte Ort sollte eben sein. Ein Hang schliesst einen Moorbau nicht aus, doch eine Vielzahl von weiteren Punkten muß dabei zusätzlich beachtet werden ( Gefahr von Eutrophierung, Wasserzirkulation durch Pumpe, etc. ).

Anlagen-Grösse

Als Minimalgrösse kann ein eingesenkter Betonbottich angesehen werden. Die Maximalgrösse ergibt sich aus der zur Verfügung stehenden Gartenfläche, oder durch begrenzte Ressourcen, wie etwa die Verfügbarkeit von Regenwasser zur Speisung bei Trockenperioden.Es empfiehlt sich jedoch die Anlage so groß als möglich anzulegen. Die Gestaltung in Richtung Naturnähe vereinfacht sich dadurch, die Anlage kann sehr Arten-reich bepflanzt werden, ohne überbestockt auszusehen. Vorallem dankt es das bessere Pflanzenwachstum, ein biologisches Gleichgewicht kann sich schnell einstellen.

Bau

Der Aushub hat bis in eine Tiefe von mind. 40 cm zu erfolgen, besser jedoch 60cm. Wie steil die Wände abfallen spielt keine wesentliche Rolle. Bevor die Teichfolie eingelegt wird, müssen spitze Steine entfernt werden, die die Folie beschädigen könnten. Um Beschädigungen der Teichfolie zu verhindern sollte eine wenige Zentimeter starke Sandschicht aufgebracht werden, darauf ein Baustoffvlies ausgebreitet. Bei dieser Grubenvorbereitung ist die Verwendung von 0,5mm starker Teichfolie ausreichend. Nur bei dem Bau einer gewünschten Schlenke oder Vertiefung muss auf das Niveau beim Aushub dementsprechend geachtet werden. Die Folie wird vorsichtig faltenfrei eingelegt, bzw. erforderliche Falten legen.

Vorgefertigte Teichwannen, ( Beton-) Bottiche, Wannen, in der Hälfte zersägte Öltanks etc. können ebenfalls verwendet werden, sofern die Sauberkeit  und die Dichtheit gewährleistet ist.

 Bevor die Mooranlage mit Substrat gefüllt wird, werden versteckte Wasserspeicher eingebaut. Diese minimieren die notwendige Wasserspeisung während Trockenperioden, und ersparen auch Substrat ! Verwendet werden können Plastikkübel oder Blumentöpfe, die mit einigen Bohrlöchern in verschiedenen Höhen versehen werden. Diese Speichergefäße werden mit der Öffnung nach unten auf die Teichfolie gesetzt. Um eine Beschädigung der Teichfolie durch Substrat , bzw. die Einschlämmung von Substrat in den Wasserspeicher zu verhindern, wird wieder ein Baustoffvlies über Wasserspeicher und Folie gelegt.

Je nach Wahl der Art des gewünschten Moor-Typs wird das ensprechene Substrat ( bzw. -Mischung) in die vorbereitete Grube gefüllt. Durch die Gestaltung von unterschiedlichen Niveaus  ( Schlenken und Bulten ) werden Bereiche geschaffen, in denen Pflanzen mit unterschiedlichen Feuchtigkeitsbedarf kultiviert werden können.

 Schematische Skizze einer Mooranlage

 Skizzierung einer künstlichen Moor-Anlage

Es sei hier noch erwähnt, dass die Ränder der Teichfolie unter Steinen oder Ähnlichem versteckt werden müssen, da UV-Licht über längere Zeit die Folie spröde machen würde. Diese Eingrenzung hat so zu erfolgen, daß gleichzeitig eine Barriere gegen Einwachsen von Gras hergestellt wird, oder auch Eutrophierung von höher gelegenen Lagen verhindert wird. Eine Stelle am Teichfolienrand sollte aber sehr tief nivelliert werden: Dieser dient als Abfluß, wenn bei längeren Regenperioden der Wasserstand abgelassen werden muß !

Wenn im Garten kein Platz für den Bau einer Mooranlage zur Verfügung steht, besteht auch die alternative Möglichkeit den Teichrand als Moor zu bepflanzen. Dazu wird eine Pflanzmulde mit mind. 20cm Tiefe im Uferbereich des Teiches angelegt. Um ein Abrutschen des Substrates in den Teich zu verhindern, kann eine kleine Böschung mit Steinen sehr dienlich sein. Der Wasserstand des Teiches muss dementsprechend gehalten werden, daß durch die Kapillarwirkung das Substrat im Uferbereich ständig feucht bleibt. Ein flacherer Abfall des Teichufers bietet nicht nur Wasserinsekten einen wertvollen Lebensraum, auch das Abrutschen von Substrat wird erschwert.

 Schematische Skizze eines Teich-Uferbereiches als Moor

 

Skizzierung des Teichrand als alternative Mooranlage

 

Liegt der Wunsch vor, daß die Anlage mit Moos unterpflanzt werden soll, kann nach dem Bewässern geschnittenes Moos ( z.B. Sphagnum bei einem Hochmoor ) flächendeckend verteilt werden. Eine transparente Plastikfolie als Abdeckung stellt eine gespannte Atmosphäre her und verkürzt damit die Anwachszeit für das Moor. Nach Entfernung der Plastikfolie kann mit der Bepflanzung der Anlage begonnen werden.

Bei der Auswahl der Bepflanzung kann Ihnen folgende Zusammenstellung hilfreich sein:

 Säuregrad

saurer Bereich

neutraler bis alkalischer Bereich

Substrat

 Hochmoortorf, alternativ mit Quarzsand vermengt

 gut abgelegene Erde, mit Lehm, Sand oder Kies (Kalkgries) gemischt

Orchideenarten

 Cypripedium acaule, Calopogon tuberosus, Pogonia ophioglossoides und P. japonica, Habenaria radiata, Dactylorhiza sphagnicola, Spiranthes ssp. , Platanthera ssp.

 Orchis morio, O. militaris, Epipactis palustris, Ep. gigantea, Dactylorhiza ssp., Liparis loeselii, Spiranthes aestivalis, Gymnadenia conopsea

Insektivorenarten

 Drosera anglica, Dr. intermedia, Dr. rotundifolia, Dr. binata, Dr. filliformis und Hybriden, Sarracenia spp., Pinguicula vulgaris, P. leptoceras, P. grandiflora und andere, Ultricularia australis, U. vulgaris, U. cornuta, Dionaea muscipula

 Drosera linearis

 

 

Begleitpflanzen

 Andromeda ssp., Vaccinium ssp., Soldanella ssp., Calla palustris, Potentilla palustris, Parnassia palustris    u.a.

 Gladiolus illyricus, G. palustris, G. imbricatus, Fritillaria meleagris, Primula farinosa, Menyanthes trifoliata, Eriophorum ssp.,  Trollius ssp., Carex ssp., Tofielda ssp. u.a.

 Wasserspeisung

Ein in die Mooranlage senkrecht eingebautes, perforiertes Rohr kann helfen den Wasserstand zu beurteilen. Über dieses kann auch die Speisung erfolgen. Es ist darauf zu achten, daß eine saure Mooranlage nur mit kalkarmen ( -freien) Wasser , z.B. Osmose- oder Regenwasser, gespeist wird.

Schädlinge

Wie in anderen Gartenbeeten können Schnecken grosse Schäden anrichten. Auch auf Blattlausbefall, Erdraupen und sonstige Schädlinge ist zu achten. Besondere Vorliebe für dauerhaft feuchte Bereiche haben jedoch Maulwurfsgrillen ! Der Fang ist einfach, wenn der Gang mit Wasser, das wenige Tropfen Öl enthält, geflutet wird.

Düngung

Auf jegliche Düngung sollte im Freiland verzichtet werden. Auch der Eintrag durch Eutrophierung, z.B. Einschwemmung durch Hanglage, muß verhindert werden. Bei der Wasserspeisung keine Nährstoff - belasteten Wässer benutzen !

Instandhaltung/Pflege

Bei überlegten Bau der Anlage beschränkt sich die Instandhaltung einer Mooranlage auf die zeitweise notwendige Bewässerung und die Kontrolle auf Schädlingsbefall bzw. deren Bekämpfung. Bedingt durch Eintrag von Stickstoff ( Imisionen ) können Moose ihr Höhenwachstum verstärken. Schwachwüchsige Pflanzen halten mit dem jährlichen Zuwachs nicht mit und müssen daher freigehalten werden. Pflanzen mit Tendenz zur starken Aussaat oder vegetativen Zuwachs z.B. Eriophorum ssp., Carex ssp. , müssen zwischenzeitlich ausgedünnt werden, große Sarracenia - Stöcke geteilt werden.

Winterschutz

Je nach der Wahl der Bepflanzung kann auf jeglichen Winterschutz der Anlage verzichtet werden. Sehr bewährt hat sich jedoch die Abdeckung mit Baustoffvlies. Nicht nur schützt es vor Austrocknung durch Winde, auch können begrenzt winterharte Arten ( z.B. Drosera binata aus Australien, einige Sarracenien aus Florida etc. ) zusätzlich dauerhaft kultiviert werden !

Fotobeispiele

Auf dieser Seite finden Sie einige Beispiele und Gestaltungsmöglichkeiten einer Hochmooranlage bzw. Aufnahmen von Pflanzen, die für diesen Biotop-Typ geeignet sind.

 

 

 

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